Zu kritisieren mag es an der „Erklärung der Vielen“ einiges geben – vor allem, wenn es sich dabei lediglich um trockene Theorie, eine Unterschriftenaktion, handelt. Papier ist bekanntermaßen geduldig. Die Idee, das Ganze mit Leben zu füllen, ist gut.

Allerdings haben sich die meisten der beteiligten Kultureinrichtungen der Stadt dafür nicht unbedingt krumm gemacht. Die Angebote sind ohnehin Bestandteil im geplanten Programm der Institutionen und passen nur einfach gut zum Grundgedanken der Erklärung. Was wiederum deutlich macht, dass sich die städtische Kulturlandschaft bereits spielend im linken Sektor bewegt.

Die Klientel der Oldenburger Häuser muss man gar nicht mehr aufrütteln. Es ist sowieso kritisch gegenüber rechten Strömungen eingestellt. Aber wie kann man jene erreichen, die sich von stupider Meinungsmache manipulieren lassen? Idealerweise intelligent-charmant. Darum ist das gemeinsame Singen mit Sicherheit einen Versuch wert.

Es ist zu hoffen, dass es Anklang findet. Die Frage, ob es bei uns vor der Haustür tatsächlich so sehr darum geht, Demokratie zu verteidigen, sollte man allerdings auch stellen. Von Übergriffen und Diffamierungen zumindest ist wenig bekannt. Bei einem Blick über den Tellerrand, in andere Städte und Länder, kann man allerdings sehr wohl um Meinungsfreiheit bangen.

Seine Stimme für eine offene, tolerante Gesellschaft zu erheben, ist nötig – und singend auch noch belebend.

Lea Bernsmann über die „Erklärung der Vielen“ und die geplanten Aktionswochen in Oldenburg