Es ist ein Ritual: Jedes Jahr veröffentlicht das Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri ein Ranking der weltweiten Militärausgaben. Dieses Jahr mussten sie einen traurigen Rekord verkünden: Weltweit erreichten die Militärausgaben einen neuen Höchstwert.

Nie zuvor wurde so viel Geld für Rüstung ausgegeben - auch nicht während des Kalten Kriegs. Die Stockholmer Friedensforscher sehen das als Anzeichen für eine zunehmend unsichere Welt. In der Tat: Für die Generation, die mit Mottos wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ und der Entspannungspolitik der Neunzigerjahre und dem Zusammenbruch der Sowjetunion groß geworden ist, war in den vergangenen Jahren jedes Minus bei den weltweiten Rüstungsausgaben überwiegend ein Gewinn.

Doch die Zeitenwende hat auch hier den Blickwinkel verändert. Auf einmal stellen sich in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik andere Fragen: Ist es nicht sehr sinnvoll, Geld für Abwehrsysteme, Munition und Flugzeuge auszugeben, die im Zweifel das Land sicherer vor Angriffen machen? Der Krieg in der Ukraine hat den Wert von Verteidigungswaffen auf blutige Weise vor Augen geführt. Dass diese Bedrohungen menschengemacht sind, ist dabei immer die traurigste aller Wahrheiten.

Und dennoch: Auch die aktuelle Evakuierungsmission im Sudan zeigt, wie sehr man auf das Militär angewiesen ist, wenn es hart auf hart kommt. Es sind eben nicht zivile Flugzeuge, die die Menschen geordnet nach Hause zurück bringen Es sind Militär-Transporter mit dafür ausgebildeten Soldaten. Angesichts der Eskalation der Lage im Sudan gibt es dazu keine Alternative. Und so verändert sich der Blick auf den Rüstungsbericht. Auch wenn man den nachfolgenden Generationen das Gegenteil gewünscht hätte.