Russlands Präsident Wladimir Putin treibt nicht nur den brutalen Krieg gegen die Ukraine voran, sondern auch seinen miesen Kampf mit der Energie: Russland liefert zwar wieder Gas durch Nord Stream 1, doch zu wenig, um die Speicher zu füllen. So will der Kremlchef die Unsicherheit schüren und einen Keil in die EU treiben.

Die Antwort von Robert Habeck fällt überraschend klar aus: Der Wirtschaftsminister erweckt gar nicht erst den Eindruck, dass sich die Lage nun entspannt, sondern legt ein neues Sparpaket vor. Das ist richtig und mutig. Nun nimmt er auch die privaten Verbraucher in die Pflicht. Sie bleiben, anders als manche Manager wollten, geschützte Kunden und sollen im Winter als Letztes frieren. Aber sie sind jetzt aufgefordert, ihren Beitrag zu leisten: Wer jetzt noch einen Pool heizt, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Eine neue Homeoffice-Periode zur Gaseinsparung wird nach den Pandemie-Erfahrungen auch kein Problem sein, sofern es nicht auch die Schulen trifft.

Ob das reicht, um den Winter zu überstehen, ist fraglich. Habeck kämpft auf vielen Baustellen. Dass Uniper im Hochsommer Gas ausspeichert, ist aus Sicht des Konzerns verständlich. Mit Blick auf den Winter geht das gar nicht. Uniper muss rasch gerettet werden. Dazu muss Habeck auch den finnischen Großaktionär Fortum in die Pflicht nehmen, der sich vom Acker machen will. Die Rettung ist kein ordnungspolitischer Sündenfall: Fällt Uniper, werden Stadtwerke in ganz Deutschland vor dem Aus stehen. Das ist Habecks Lehman-Moment. Die Nicht-Rettung der US-Bank löste 2008 die Weltfinanzkrise aus.

Zugleich muss Habeck verhindern, dass zu der Gas- noch eine Stromkrise kommt. Was passiert beim Strom, wenn Bürger im Winter alle auf Heizlüfter umschalten? Habeck ist – wie es sich für einen Krisenmanager gehört – pragmatisch bis zur grünen Selbstverleugnung. Drei Braunkohle-Blöcke, die größten Klimasünder, erhalten nun Verlängerung. Sollte sein Stresstest eine reale Blackout-Gefahr aufzeigen, wird der Grünen-Politiker eine kleine Laufzeit-Verlängerung der Atomkraftwerke womöglich doch mitmachen. Die Energiekrise wird allen noch viel abverlangen.