Auch, wenn auf dem Parteitag und der Europaversammlung der AfD in Magdeburg die beiden Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla ihre Zuversicht mit Blick auf die Wahlen im kommenden Jahr in die Messehalle gerufen, oder wie Weidel gebrüllt haben, in der Parteiführung gibt es keinen, der felsenfest daran glaubt, dass das derzeitige Umfragehoch stabil ist. Denn keiner weiß ja, wie viel davon schnöder Protest ist und wie viele Wähler aus echter Überzeugung die Rechten wählen würden.

Legt man aber jüngste Umfragen zugrunde, lehnt eine große Mehrheit der Deutschen wesentliche AfD-Forderungen ab, ob in der Russland-, Währungs- oder Klimapolitik. Und eine „Dafür-Partei“, wie Chrupalla auf dem Parteitag stolz verkündete, ist die AfD noch lange nicht. Wahr ist: In Magdeburg hat die streng von oben verordnete Harmonie weitgehend gehalten. Man hat sich nicht wie sonst verbal zerfleischt und in Endlos-Debatten verloren. Außerdem ist es eine Einigkeit, die vor allem dem Strippenzieher im Hintergrund zu verdanken ist – Björn Höcke. Der thüringische Landesvorsitzende hat die Gesamtpartei nach extrem rechts verschoben, Weidel und Chrupalla sind sozusagen Vorsitzende von Höckes Gnaden. Er kokettiert gern damit, wie jetzt auch wieder, womöglich nach dem Parteivorsitz greifen zu wollen. Das bringt viel Unruhe. Und in Personalfragen geht die AfD zuverlässig brutal miteinander um.

Interview
Tino Chrupalla ist Co-Vorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD).

INTERVIEW MIT AFD-CO-VORSITZENDEM CHRUPALLA „Ich bezweifle, dass Merz Kanzlerkandidat wird“

Hagen Strauß Büro Berlin

Mit Maximilian Krah als EU-Spitzenkandidat rutscht nun der nächste Höcke-Mann bei der AfD nach vorn. Die Partei geht bewusst mit dieser Personalie volles Risiko. Vor allem in dem Glauben, dass der Wähler auch hier das rechte Auge zudrücken wird. Das Gefühl, Narrenfreiheit zu haben, ist in der AfD weit verbreitet. Weil sich jedes innerparteiliche Scharmützel, jede verbale Entgleisung, jeder Rutsch noch weiter nach rechts nicht negativ auf den Zuspruch ausgewirkt hat. Das könnte sich jetzt dann doch ändern.

Krah, dem einige dubiose Machenschaften nachgesagt werden und der für extrem rechte Positionen steht, muss jetzt erst recht viele heikle Fragen beantworten – warum zum Beispiel die Partei die EU auflösen, umbauen oder neu gründen will, die AfD aber unbedingt an die europäischen Töpfe möchte. Oder weshalb der Ausstieg aus dem Euro gut für Deutschland sein soll, ebenso aus der Nato. Die Ablösung vom Westen und eine Annäherung an Russland ist nur einer extremen Minderheit zu vermitteln. Diese und viele andere AfD-Widersprüche könnten diesmal zu eklatant sein, um vom Wähler ignoriert zu werden. Zumindest bleibt das zu hoffen.

Maximilian Krah spricht bei seiner Vorstellungsrede als AfD-Spitzenkandidat für die Europawahl in Magdeburg.

AFD-PARTEITAG UND EUROPAWAHLVERSAMMLUNG Alternative für Deutschland will eine „Festung Europa“

Hagen Strauß Büro Berlin
Magdeburg