Nach übereinstimmenden US-Medienberichten, die sich auf Quellen aus dem Weißen Haus berufen, wird Präsident Joe Biden an diesem Dienstag seine erneute Kandidatur verkünden. Damit ist eines der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse in Washington aus dem Sack. Mit seinem frühen Timing verfolgt der Demokrat vor allem zwei strategische Ziele. Das erste: Schwelende Diskussionen innerhalb und außerhalb der Partei abzuwürgen, ob denn sein Alter - Biden wird am Wahltag im November 2024 80 Jahre alt sein - und seine unübersehbaren kognitiven Schwächen einen weiteren Anlauf auf das „Oval Office“ überhaupt rechtfertigen. Denn nach derzeitigen Umfragen halten zwei Drittel aller Bürger Biden, der von seinen Helfern seit Monaten intensiv von lästigen Reporterfragen abgeschottet wird, nicht mehr für die richtige Person an der Spitze der Weltmacht.
Das zweite Ziel ist, möglichst innerparteilicher Konkurrenz den Wind aus den Segeln zu nehmen. Mit Robert F. Kennedy jr., dem Sohn des ermordeten Ex-Präsidentschaftskandidaten Robert Kennedy, und der Buchautorin Marianne Williamson haben sich bislang nur chancenlose Herausforderer erklärt. Bleibt es dabei, und bleibt vor allem die frühere First Lady Michelle Obama aus dem Rennen, ist die Nominierung Biden nicht zu nehmen. Denn die Parteiführung hat die Vorwahlen 2024 so jongliert, dass der Amtsinhaber von Anfang an seiner Favoritenrolle gerecht werden dürfte. Der Süd-Bundesstaat South Carolina, der 2020 die schwächelnde Kandidatur Bidens mit seiner afroamerikanischen Mehrheit rettete, steht diesmal mit am Anfang der Abstimmungen. Und das bedeutet: Wer schnell klar führt, hinter den scharen sich erfahrungsgemäß Wähler und Geldgeber.
