Dieses Bündnis zusammenzubringen, wird ein Kraftakt für alle Beteiligten, kompliziert und langwierig. Es geht um einen Koalitionsvertrag, den ein Alexander Dobrindt von der CSU genauso vertreten können muss wie ein Jürgen Trittin von den Grünen. So breit ist das Feld, das Jamaika abzudecken hat.

Wer glaubt, diese Koalitionsverhandlungen ließen sich im Eiltempo erfolgreich führen und abschließen, der irrt gewaltig. Insofern liegt Kanzleramtschef Peter Altmaier wahrscheinlich gar nicht so falsch, wenn er einen Durchbruch womöglich erst nach Weihnachten für möglich hält. Mit CDU, CSU, FDP und Grünen kann es nur dann klappen, wenn Extrempositionen aus dem Wahlkampf abgelegt werden, eine echte Vertrauensbasis entsteht. Dabei zeigen sich Grüne und Liberale derzeit frischer, sortierter und inhaltlich besser auf die Verhandlungen vorbereitet als die Unionsparteien.

Was kein Wunder ist: CDU und CSU sind immer noch verstrickt in Ursachenforschung mit Blick auf ihr schlechtes Wahlergebnis, die Sichtweisen in München und Berlin liegen weiterhin meilenweit auseinander. Auf Angela Merkel und Horst Seehofer lastet jetzt große Verantwortung. Gelingt es ihnen nicht innerhalb kurzer Zeit, zu gemeinsamen Positionen zu kommen, die von ihren Parteien akzeptiert werden, was beim Thema Obergrenze schwer sein dürfte, lohnt es erst gar nicht, sich mit FDP und Grünen an einen Tisch zu setzen.

Die Union hat den Regierungsauftrag und muss ihm nun auch gerecht werden. Dazu gehören auch Zugeständnisse. In einem Viel-Parteien-Bündnis brauchen gerade die kleinen Partner Raum, um ihr eigenes Profil zeigen und prestigeträchtige Forderungen durchsetzen zu können. Jamaika kann durchaus frischen Wind in die politische Landschaft bringen.