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Krieg gegen Israel Wie man Terror entschuldigt

Leipzig: Sympathiekundgebungen für die Hamas
Analyse

Leipzig: Sympathiekundgebungen für die Hamas

dpa

Oldenburg - Es ist Krieg. Krieg bedeutet auch einen Kampf der Narrative, der Erzählungen, der Rechtfertigungen, der Sinnstiftungen, der Erklärungen von Vorgängen und Ursachen. Auch der Krieg gegen Israel ist ein Krieg der Narrative – von denen nicht wenige höchst verlogen sind. Fünf Beispiele antiisraelischer und antijüdischer Stereotype und Erzählungen:

1. „Die Juden“ sind selbst schuld, dass sie verfolgt werden. Das gilt insbesondere seit der Gründung des Staates Israel.

Es handelt sich um die Variante eines der ältesten antijüdischen Motive. Im Mittelalter warf man den Juden vor, sie hätten „den Heiland“ getötet. Alles Unglück, das darauf folgte, sei Strafe für diese Untat. Ähnliche Muster finden sich nach den Massakern vom 7. Oktober. Der „Zentralrat der Muslime“ forderte in Deutschland, „alle Seiten“ müssten „Kampfhandlungen einstellen“, um dann angebliche Angriffe von „Siedlern“ auf die Al-Aqsa Moschee in Jerusalem zu beklagen. Verurteilung der Hamas? Fehlanzeige!

Ins gleiche Horn stieß der Chef der „Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft“, Nazih Musharbash. Die „israelischen Machenschaften“ in den „besetzten Gebieten“ hätten zu „großen Verärgerungen in der okkupierten Bevölkerung geführt“. Fazit: „Jeder darf sich verteidigen, wenn er angegriffen wird.“ Massenmord also als Akt der „Verteidigung“. Noch deutlicher wurde der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas, kurze Zeit vor den Massakern: „Die Europäer bekämpften diese Leute (die Juden) wegen ihrer gesellschaftlichen Rolle, die mit Wucher und Geld zu tun hatte. Selbst Hitler.” Der Palästinenser-Chef macht die Opfer der Shoah also selbst dafür verantwortlich, dass man sie umgebracht hat.

Solche Erzählungen fließen heute auch in den Mainstream ein. Die Formel lautet: Gebe es kein Israel, gebe es keine Konflikte im Nahen Osten. So schrieb die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) nur drei Tage nach den Massakern an Israelis tatsächlich in einem Text: „Die Hauptwurzel des Konflikts ist die Staatengründung Israels 1948.“

2. Die „Okkupation“ arabischen Landes ist Wurzel der Massaker an Israelis.

Es handelt sich um ein schamloses Narrativ, das auch in Deutschland Konjunktur hat und eng mit dem ersten verbunden ist. Widerlegt wird es durch die Geschichte. Die arabischen Massaker an Juden und die Angriffskriege der arabischen Staaten der Jahre 1929, 1936, 1948, 1967, 1973 sowie die Angriffe der Hisbollah in den 80er Jahren zeigen, dass es nicht um „Besetzung“ geht, sondern um die Vernichtung der jüdischen Präsenz im Vorderen Orient. Gaza, die Quelle des jüngsten Krieges, ist seit 2005 nicht mehr „besetzt“.

Die Abriegelung Gazas haben die Araber selbst über sich gebracht, als sie nach dem israelischen Abzug nichts Besseres zu tun hatten, als Raketenfabriken zu errichten und ihre jüdischen Nachbarn unter Feuer zu nehmen. Es geht nicht um ein Ende der „Okkupation“, es geht um ein „judenreines“ Palästina „vom Fluss bis zum Meer“.

3. Hamas & Co sind mit einer „Zweistaatenlösung“ vom Terror abzubringen.

In Gaza gibt es bereits einen De-Facto-Staat der Palästinenser. Gaza wurde zum Ausgangspunkt des Krieges. Grund ist das ideologische Programm der Machthaber. In Artikel sechs der Hamas-Charta heißt es, sie kämpfe dafür, dass „das Banner Allahs über jedem Zentimeter Palästinas aufgepflanzt wird“. In Artikel sieben wird konkretisiert, was das bedeutet: „die Juden bekämpfen, und sie töten“. Artikel 13 enthält die Absage an jegliche friedliche Kompromisslösung mit Israel.

Dem „Widerstand“ geht es nicht um eine Zweistaatenlösung – es geht um eine Einstaatenlösung, die judenfrei sein soll. Wenn Palästinenser von „Siedlern“ reden, meinen sie in der Regel alle Israelis, egal wo sie leben. Wenn sie von einem Staat „Palästina“ sprechen, geht es um das gesamte Heilige Land, nicht nur um Westbank und Gaza. Weil dieses Programm nicht erfüllbar war, haben die Araber 1947, 2000, 2005, 2008, 2014 und 2020 jeweils Zweistaatenlösungen abgelehnt, denen Israel zugestimmt hatte.

4. Die Hamas ist eine Kriegspartei, die gleiche Legitimität wie Israel besitzt.

In deutschen Stellungnahmen, wie etwa jener der katholischen Friedensorganisation „Pax Christi“ werden Israel und die Hamas gewöhnlich auf eine Stufe gestellt, indem beide gleichermaßen aufgerufen werden, dieses oder jenes zu tun oder zu lassen. Das delegitimiert den demokratischen Staat Israel und (schein)legitimiert islamische Terroristen.

Ziel dieser Organisation ist es, Israel zu vernichten, und sie verfolgt dieses Ziel mit aller Konsequenz. Das hat der Massenmord an 1400 Israelis gezeigt. Die Hamas benutzt die eigene Zivilbevölkerung als Schutzschild und setzt sie bedenkenlos jeder Gefahr aus. Die Affäre um das Al-Ahli-Krankenhaus illustriert das. Israels Armee hingegen schützt seine Bevölkerung. Gaza ist eine Terrorbasis, in der es keinerlei wirtschaftliche Entwicklung gab, weil die Machthaber seit 2007 alle Ressourcen auf den Krieg mit Israel verwenden. Israel ist eine blühende Demokratie. Israel und die Hamas stehen deswegen moralisch nicht auf einer Stufe. Es ist daher mehr als zweifelhaft, wenn deutsche Nachrichtenagenturen noch immer Hamas-Angaben als objektive Tatsachen betrachten und diese als solche melden.

5. Hamas und die Palästinenser sind nicht gleich zu setzen. In der Mehrheit handle es sich bei Letzteren um „unschuldige Zivilisten“.

Ein naives Narrativ, das auf Unkenntnis beruht und gern in Europa bemüht wird. Es ist eine Binsenweisheit, dass nicht jeder Araber in Gaza, Judäa und Samaria Mitglied oder Sympathisant der Hamas ist. Es war auch nicht jeder Deutsche Nazi. Jedoch gab es in Gaza zu keiner Zeit ernstzunehmende Opposition oder gar einen Aufstand gegen die Hamas – die gewann dort 2006 sogar die einzig jemals dort abgehaltene Wahl. Israels Präsident Isaac Herzog fasste das so: „Sie hätten aufstehen können und gegen dieses üble Regime kämpfen könne, das Gaza in einem Staatsstreich übernommen hat.“

Das geschah nicht, weil die Hamas und ihre Methoden weithin Rückhalt unter den Palästinensern haben. Das beweisen die Jubelstürme nach den Massakern vom 7. Oktober in Gaza und der Westbank. Kein einziger Offizieller, kein einziger Intellektueller hat dort das Blutbad verurteilt und die Täter beim Namen genannt. In Gaza beteiligten sich sogar Passanten an der Misshandlung von Geiseln. Spricht man mit palästinensischen Intellektuellen oder Journalisten erlebt man Festungsmentalität: An Hamas oder PA nur zaghafte Kritik, man gibt die loyale Opposition. Israel hingegen ist das Böse an sich. Die Hamas ist eine Volksbewegung.

Umfragen stützen den Befund. Im Juni unterstützten nur 21 Prozent der Palästinenser Verhandlungen, während 52 Prozent für den bewaffneten Kampf plädierten. 70 Prozent lehnten eine Zweistaatenlösung ab. Im März des Jahres unterstützten 71 Prozent in einer Umfrage Attentate auf Israelis. 68 Prozent im Westjordanland unterstützten die Bildung terroristischer Gruppen. Die Wahrheit liegt also in der Tatsache, dass genozidaler Hass und die Idee der Zerstörung Israels unter den Arabern in Judäa, Samaria und Gaza weit verbreitet sind – alles Kernpunkte des Hamas-Programmes. Ursache dafür dürfte nicht zuletzt die jahrzehntelange Verhetzung der arabischen Jugend – auch in den international finanzierten Schulen des UNRWA-Flüchtlingswerks – sein.

In Europa bot sich unter dort lebenden Palästinensern ein ähnliches Bild: Da wurden zur Feier des Massakers an Israelis in Berlin Süßigkeiten verteilt. Es gab Demonstrationen, die von Genugtuung über die Massenmorde überflossen. Die gab es nicht, als in Syrien Hunderttausende getötet wurden, als der IS einen Mordfeldzug gegen Jesiden startete und als im Iran die Mullahs ein um das andere Mal Proteste niederschlugen.

Auf der Webseite des arabischen TV-Sender Al-Jazeera hieß es dann auch am 10. Oktober: „In der gesamten islamischen Welt wird man unter den zwei Milliarden Muslimen niemanden finden, der sich nicht über das freut, was die Hamas erreicht hat. Dieser Einmarsch hat in den Herzen der Palästinenser im In- und Ausland eine noch nie dagewesenen Art Hoffnung geweckt.“ Das dürfte der Realität sehr nahe kommen.

Dr. Alexander Will
Dr. Alexander Will Mitglied der Chefredaktion (Überregionales), Leiter Newsdesk
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