Seit Jahren scheint es kaum einen Finanzskandal zu geben, in den die Deutsche Bank nicht verwickelt ist. Nun holen den Konzern von den Panama Papers ausgelöste Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche ein. Die Razzia in Frankfurt trifft ein ohnehin schwer angeschlagenes Unternehmen mit voller Wucht. Zu Recht empört sich die Öffentlichkeit über skrupellose Manager, die jahrelang Rechtsbrüche zugelassen oder sogar gefördert haben.
Die Vielzahl der Verstrickungen und die lange Liste der juristischen Probleme sind nur mit krimineller Energie zu erklären. Bei der Deutschen Bank geht es aber um weit mehr als Verfehlungen und Gesetzesbrüche einzelner Führungsleute in der Vergangenheit und das vergebliche Bemühen des heutigen Vorstands, Altlasten aus dem Weg zu räumen. Die noch immer größte deutsche Bank steckt in einer derart schweren Krise, dass inzwischen ihre Existenz gefährdet ist.
Niemand weiß so genau, wofür das traditionsreiche, einst so starke Geldhaus heute noch gebraucht wird und womit es in Zukunft sein Geld verdienen kann. Dieses gravierende Strategie-Defizit gibt der dramatische Verfall des Aktienkurses wieder, durch den die Deutsche Bank im Vergleich mit den US-Konkurrenten zu einem Zwerg geschrumpft ist.
Vor einer Übernahme schützt sie der Umstand, dass sich kein fremdes Unternehmen freiwillig diese Bürde aufhalsen möchte. Im Interesse des Standorts Deutschlands kann man nur hoffen, dass Vorstandschef Sewing die Probleme bald in den Griff bekommt. Ein Fall der Deutschen Bank hätte das Potenzial, mitten im konjunkturellen Hoch eine neue Finanzkrise auszulösen.
