Die große Schuldenkrise und ihre Auswirkungen sind längst noch nicht ausgestanden. Das zeigt bereits seit Jahren die andauernde wirtschaftliche Schwäche in großen Teilen der Eurozone. Und jetzt kommen auf einmal massive Probleme in den aufstrebenden Schwellenländern von der Türkei bis Südafrika hinzu. Dabei galten diese noch vor kurzem als große Hoffnungsträger der Weltwirtschaft und chancenreiche Investitionsorte.

Plötzlich aber ziehen Investoren in großem Stil Geld ab. Das drückt die Währungen vieler Staaten gegenüber Euro und Dollar in den Keller – und erschwert wiederum den Schuldendienst. Wie verzweifelt die Lage ist, zeigt die drastische Leitzinsanhebung in der Türkei am Mittwoch. Mit dieser Maßnahme werden Anlagen in der Türkei auf dem Papier attraktiver. Doch ob der Abzug von Kapital gestoppt werden kann, ist fraglich: Offenbar fehlt es zurzeit generell an Vertrauen in diese Staatengruppe und ihre Regierungen. Hinzu kommt die Furcht, dass die Zinswende in den USA auch den Schwellenländern wieder Kapital entziehen wird: Viel von dem ultrabilligen Geld war ja dorthin geflossen.

Es zeigt sich eben: Von Normalität kann in der Weltwirtschaft vorerst noch keine Rede sein.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)