Es ist gerade einmal zwei Jahre her, dass die Tage von Dieter Zetsche an der Daimler-Spitze gezählt zu sein schienen. Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat verweigerte ihm die uneingeschränkte Gefolgschaft. Eine Gewinnwarnung schickte die Aktie auf Talfahrt. Heute, nur 24 Monate später, denkt das Kontrollgremium schon frühzeitig über eine Vertragsverlängerung bis Ende 2019 nach.

Was hat diesen Sinneswandel bewirkt? Nun, um es im Branchenjargon zu sagen, Zetsche hat gerade noch die Kurve gekriegt. Die Modelloffensive trug die erhofften Früchte. Daimler fuhr zuletzt Absatz- und Umsatzrekorde ein.

Auf dieser Basis lässt sich aufbauen – auch im Hinblick auf die bis 2020 angelegte Aufholjagd auf BMW und Audi. Ein plötzlicher Wechsel an der Spitze würde hier nur unnötige Unruhe reinbringen. Zugleich würde eine Vertragsverlängerung für Zetsche dem Autobauer auch drei Jahre mehr Zeit geben, um potenzielle Nachfolger, wie Nutzfahrzeug-Chef Wolfgang Bernhard oder den neuen Vorstand Ola Källenius, weiter aufzubauen.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft