In dem unvollendeten Roman Citadelle schrieb Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Die wunderbare Gemeinschaft der Ratten hat sich nach dieser Lektüre auf literarisch leichtere Kost verlegt und vergnügt sich mit Comics. Nicht ohne Folgen, denn dort findet sich die atemberaubende Beschreibung des Käsemonds. Seither haben die Ratten nur eines im Sinn: Eine Rakete zu bauen, die sie zu diesem kulinarischen Paradies bringt.

Jeder, der schon einmal selbst eine funktionstüchtige Mondrakete gebaut hat weiß, dass sich die benötigten Teile wie Backpulver, Flaschen, Dosen oder Taschenrechner mühelos auf dem Schrottplatz finden lassen. Bauteile in geeigneter Kombination bringen Punkte. Käsespenden als Beköstigung der Crew bringen Punkte.

Das Vorankommen beruht auf einem klugen und einleuchtenden Mechanismus. Eine einzelne Ratte darf bis zu fünf Felder vorrücken. Die gleichzeitige Bewegung mehrerer Mitglieder einer Rattschaft ist auf jeweils höchstens drei Schritte begrenzt. Das allerdings mit der kleinen Einschränkung, dass am Ende des Zuges alle auf der gleichen Farbe stehen müssen. Dann finden sich wieder brauchbare Bauteile.

Der Plot ist aberwitzig und völlig abgedreht. Das Spiel selbst jedoch folgt einer tadellosen und schlüssigen Logik. Weil es so viele kleine Stellschrauben gibt, verlaufen die Partien oft überraschend unterschiedlich. Und wem diese amüsante Vielfalt noch nicht genügt kann den Spielplan umdrehen und sich über einen zufallsgesteuerten Parcours auf dem Schrottplatz zum Rat Canaveral vorarbeiten.

Tom Werneck
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First Rat von Gabriele Ausiello und Virginio Gigli, Pegasus, 1 bis 5 Spieler ab 10 Jahren, circa 35 Euro