Traditionelle chinesische Tempel, Thermalquellenresorts, Berglandschaften, die pulsierende Hauptstadt Taipeh mit ihren geschäftigen Nachtmärkten: Taiwan hat touristisch einiges zu bieten. Das ist aber kaum der Grund, warum die Politik nun Interesse an dem Inselstaat im Pazifik hat. Nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine treibt viele Demokraten die Sorge um, dass die Supermacht China womöglich ihre Expansionsgelüste Richtung Taiwan ausleben will.
Das ist der Hintergrund für die Gründung eines parlamentarischen „Freundeskreises Niedersachsen-Taiwan“ im Niedersächsischen Landtag. „Der Freundeskreis ist auch ein Bekenntnis zum demokratischen Taiwan“, sagt Lars Alt, wissenschafts- und kulturpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion und einer der Initiatoren. FDP-Fraktionschef Stefan Birkner hatte den Kontakt zum Repräsentanten Taiwans in Deutschland, Professor Dr. Jhy-Wey Shieh, und zum Generaldirektor des Hamburger Büros der Taipeh Vertretung in Deutschland, Yu-Shun Chen, geknüpft.
An der Gründungsveranstaltung nahmen neben Birkner und Alt der CDU-Fraktionsvorsitzende Dirk Toepffer, SPD-Fraktionsvize Sebastian Zinke sowie die beiden Parlamentarischen Geschäftsführer Jens Nacke (CDU) und Christian Grascha (FDP) teil. Nicht „Liebesgrüße aus Moskau“, so der Titel eines Bond-Films, vermutlich eher „Liebesgrüße nach Taiwan“. Der Freundeskreis möchte dazu beitragen, die Beziehungen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu intensivieren und das Verständnis füreinander zu fördern, heißt es. Geplant seien auch Informationsveranstaltungen in den Bereichen Politik, Kunst, Kultur, Wirtschaft und Soziales. Außerdem setzt sich der Freundeskreis für die Normalisierung des Umgangs mit Taiwan im internationalen Verkehr ein. In Kürze werde es eine offizielle Auftaktveranstaltung geben. Immerhin ist es der erste „Freundeskreis“, den der Landtag aus der Taufe hebt.
Taiwan fürchte um seine Freiheit, mahnt Toepffer. Er gibt dem Kreis einen besonderen Stellenwert: „Ich bin davon überzeugt, dass von der Gründung und von der Arbeit dieses Freundeskreises ein Signal ausgeht, das in der Welt sehr wohl vernommen wird.“
Tourismus stand nicht auf dem Themenplan, als sich die zwei Repräsentanten Taiwans mit den Abgeordneten trafen. Alt hat eine andere Agenda: Gerade die IT-Branche biete sich für eine mannigfaltige Zusammenarbeit an. Da könne Niedersachsen profitieren. Ein Besuch der Taiwanesen zur Hannover Messe gilt schon als ausgemachte Sache.

