Diese Liebesgrüße aus Moskau sind nicht der Stoff, aus dem Agentenfilme gemacht sind. Sie sind vergiftet und richten sich an die europäische Gemeinschaft. Absender Wladimir Putin benutzt dabei ungeniert den griechischen Regierungschef Tsipras als willigen Postillon d’amour. Der Besuch aus Athen kam für Gastgeber und Gast zur rechten Zeit: Der eine sucht jede Gelegenheit, die Sanktionsfront der EU zu spalten, der andere möchte keine Chance verpassen, die Partner zu brüskieren. Beiden ist an diesem Tag ein Erfolg nicht abzusprechen.

Zwar sind die russischen Zusagen weit geringer ausgefallen, als die Griechen vermutlich erhofft und die übrigen Europäer befürchtet hatten, doch sollte niemand die Wirkung unterschätzen. Tsipras hat vor aller Welt demonstriert, dass sein Land noch immer außenpolitisch souverän handeln kann, auch wenn die Staatskassen leer sind. Das gleiche Schicksal teilt Putins Russland, was seine Kreditzusagen begrenzt und Handlungsmöglichkeiten stark einschränkt.

Welche Folgen die Visite im Kreml für Europa hat, bleibt Spekulationen überlassen. Gewiss scheint nur, dass von einer gemeinsamen EU-Außenpolitik nicht mehr die Rede sein kann. Immerhin wächst die Hoffnung in Moskau, die nach der Krim-Annexion verhängten Sanktionen nach und nach aufweichen zu können. Dass Griechenland nach jedem Strohhalm greift, ist angesichts der desolaten Staatsfinanzen nicht verwunderlich. Erstaunen aber muss, mit welcher Chuzpe die Regierenden in Athen das restliche Europa vorführen. Offenbar wissen sie in Athen nur zu genau, dass Brüssels rote Linien ohne Konsequenzen überschritten werden dürfen, weil nicht nur die deutsche Kanzlerin alles zu tun bereit ist, um ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Währungsverbund zu verhindern. Aus Sicht Merkels offenbar alternativlos.

Eine gänzlich andere Frage ist indes, ob die Griechen selbst noch an die gemeinsame Währung glauben. Der Grexit dürfte angesichts solch politischer Alleingänge für Tsipras allmählich seinen Schrecken verlieren. Und die EU sollte endlich damit beginnen, eine seriöse Rechnung über die Kosten des Athener Ausscheidens aufzumachen.