Aus der Vergangenheit lernen? Für Prominente gilt das offenbar nicht. Wieder steht ein führender Politiker dank fragwürdiger finanzieller Transaktionen im Zwielicht. Der ehemalige NRW-Finanzminister und heutige Bundesschatzmeister der CDU, Helmut Linssen, hat eingeräumt, mehrere Jahre lang privates Geld unter der Adresse von Briefkastenfirmen in der Karibik gebunkert zu haben. Einen steuerlichen Vorteil habe es aber nicht gegeben.
Das kann glauben, wer will. Dieses Linssen-Gericht ist ungenießbar. Allein die von ihm bestätigte Vorgeschichte klingt wie eine schlecht inszenierte Räuberpistole aus der Welt der Hochfinanz. Das Erbe der Eltern zahlte der damalige Minister im Kabinett von Jürgen Rüttgers nicht etwa auf eine Bank an Rhein und Ruhr ein, sondern bei einem privaten Geldhaus in Luxemburg – jahrelang das Mekka der Steuerflüchtlinge. Von dort wanderte die knappe Million an einen Trust auf den Bahamas – für Steuerehrlichkeit weltweit „berühmt“. Über Konten in Panama, das bekanntlich dem deutschen Fiskus stets willfährig die Einzahlungen seiner europäischen Kunden offenbart, landete Linssens Erbe schließlich wieder in Luxemburg. Zuletzt hob der deutsche Politiker dort 141 000 Euro ab. In bar.
Alles klar? Helmut Linssen will den deutschen Bürgerinnen und Bürgern also nicht mehr und nicht weniger klarmachen, als dass er sein Geld nur zeitweilig auf Reisen geschickt hat. Ein globaler Finanz-Tourismus ohne jegliche Absicht der Verdunkelung. Von Steuerhinterziehung gar keine Rede. Von Geldwäsche ganz zu schweigen.
Dieser Mann hütet nun die Kasse seiner Partei. Das erinnert an finstere Zeiten unvergessener Finanzskandale in der Union. Unschöne Begriffe wie „Schwarze Konten“ und Schein-Stiftungen verbinden sich mit ehemaligen Granden wie Manfred Kanther und Walther Leisler-Kiep, damals tief in Finanzaffären verstrickt und später rechtskräftig verurteilt. Helmut Kohl verlor den Ehrenvorsitz der CDU, weil er die Namen von Großspendern bis heute verschweigt.
Die Weltreise der Linssen-Gelder ist inzwischen verjährt. Eine Strafverfolgung muss er deshalb nicht mehr befürchten. Aber wie will die Union mit dieser Hypothek auf zwei Beinen glaubwürdig bleiben?
