Man kann es als absurdes Theater bezeichnen. Seit Monaten gibt es hinter den Kulissen Kontakte zwischen SPD-Politikern und der Linkspartei, die Grünen sind auch im Boot. Ausgelotet wird, wie Rot/Rot/Grün nach der Bundestagswahl funktionieren kann, ein putziges Kürzel für diese Koalition hat man sich auch schon ausgedacht: R2G. Linke SPD-Leute wie Ralf Stegner konnten noch im Dezember 2016 ihren Enthusiasmus für dieses Projekt kaum im Zaume halten. Der „Vorwärts“ machte auch schon Pläne: „Wie sich die SPD auf Rot/Rot/Grün vorbereiten kann“, hieß es da. Und nun flirtet Martin Schulz mit der FDP. Kann man das Ernst nehmen? Wohl nicht.
In der SPD ist Rot/Gelb oder die Ampel mit den Grünen keine Herzensangelegenheit. Mit den Linken würden dort viele erheblich lieber ins Bett steigen. Doch dann kam da die Saarland-Wahl und mit ihr ein eindeutiges Ergebnis. Eine ziemlich große Zahl von Wählern will die Ex-Kommunisten schlicht nicht in Regierungsverantwortung sehen. Wer ihnen dazu verhilft, leidet selbst an den Wahlurnen. Seitdem gilt in der SPD: „Kein Wort mehr über R2G!“ Spricht man mit Mandatsträgern, erlebt man derzeit häufig einen Eiertanz, der sich gewaschen hat. Nein, über Koalitionen möchte man doch lieber nicht reden, lieber über Inhalte. Nein, das sei doch jetzt gar kein Thema.
Es sieht also deutlich danach aus, dass die Lobeshymnen des Spitzenkandidaten für die FDP und die alte sozialliberale Koalition eher taktischer Natur sind. Ungeschickt aber sind sie keineswegs, sondern eher listig. Schulz kann so zum einen vom Linksdrall der SPD ablenken. Zum anderen könnte er auf diese Weise sogar demjenigen schaden, den er da lobt. Welcher liberal fühlende, Eigenverantwortung und Freiheit hoch haltende FDP-Wähler nämlich würde denn für eine Partei stimmen, die ernsthaft daran denkt, mit der SPD zu koalieren, die eines der gigantischsten Umverteilungsprogramme plant, das Deutschland je gesehen hat? Wenn aber die FDP wieder nicht in den Bundestag kommt und die AfD klein bleibt – dann könnte R2G wieder auf der Agenda stehen, und Schulz könnte darauf verweisen, dass die FDP-Option ja nicht mehr existiere.
