Es wird eng für Manfred Weber auf dem Weg an die Spitze der EU-Kommission. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stellt sich quer. Er favorisiert Frans Timmermans, Michel Barnier oder Margrethe Vestager. So viel lässt sich nach dem jüngsten EU-Gipfel sagen.
Personalfragen sind Machtfragen. Für diese Auseinandersetzung um europäische Top-Jobs gibt es drei Erzählungen. Demnach kämpfen ein Deutscher (Weber), ein Niederländer (Timmermans), ein Franzose (Barnier) und eine Dänin (Vestager) um die Nachfolge von Jean-Claude Juncker als EU-Kommissionschef. Das wäre die klassische Variante der Kategorisierung von europäischen Debatten: Machtkampf als Streit um nationalen Einfluss.
Die zweite Variante der Erzählung wäre die parteipolitische: Demnach streiten zwei Christdemokraten (Weber, Barnier), ein Sozialdemokrat (Timmermans) und eine Liberale (Vestager) um das wichtigste EU-Amt. Aus europäischer Perspektive betrachtet, wäre das schon ein Fortschritt. Die Zugehörigkeit zur Partei zählte mehr als der nationale Pass.
Die dritte Version des Machtkampfs ist eine demokratietheoretische. Demnach zieht der Bewerber an die Spitze der Kommission, der sich bei den Wählern bei der Europawahl als Spitzenkandidat beworben hat und im Europäischen Parlament eine Mehrheit hinter sich bringt. Blieben Weber und Timmermans. Etlichen Staats- und Regierungschefs der EU, allen voran Macron, geht das zu weit. Sie möchten den Machtanspruch des Europaparlaments wieder beschränken.
