Es ist ein Paukenschlag. Die Bahn will ab dem 23. April die wichtige Trasse zwischen Kassel und Hannover vorübergehend sperren, ein Teilstück einer der wichtigsten Nord-Süd-Achsen in Deutschland. Die Einschränkungen werden Millionen Reisende betreffen und für massive Probleme und Umleitungen im Güterverkehr sorgen.
Offenbar ist der Sanierungsbedarf kurzfristig festgestellt worden. Kein Zweifel: Selbstverständlich musste hier sofort gehandelt werden. Darf es doch bei der Sicherheit des Zugverkehrs keinerlei Abstriche geben. Kaum auszudenken, wie groß der Ärger wäre, wenn man die Arbeiten hinausschieben und es auf der Strecke zu einem schweren Unglück kommen würde. Doch die Kommunikation des Konzerns ist wieder einmal mangelhaft: Erst auf den letzten Drücker werden die Bau-Planungen öffentlich. Glaubwürdiger wäre ein offensiver Umgang des Unternehmens mit dem Problem gewesen, verbunden mit frühzeitigen Informationen für die Kunden.
Die Empörung jedenfalls ist verständlich. Der Konzern sollte aus der Angelegenheit die richtigen Lehren ziehen. Hier geht es schließlich nicht um einen Einzelfall. Gerade erst hat die Bahn mit dem größten Streckensanierungsprogramm ihrer Geschichte begonnen – Vorhaben, die alternativlos sind und unweigerlich auf Kosten der Pünktlichkeit gehen werden.
Das ist ärgerlich für Kunden und Konzern. Doch Schienen, Gleisbett, Weichen und Brücken sind dringend modernisierungsbedürftig. Jetzt rächen sich die Versäumnisse der Vergangenheit. Der Investitionsrückstau hat in den vergangenen Jahren ein geradezu dramatisches Ausmaß angenommen.
Ihn innerhalb kurzer Zeit zu beheben, wird ein beispielloser Kraftakt. Anscheinend muss es bei der Bahn erst einmal schlechter werden, damit es wieder besser werden kann.
