Der 4. April 2013 könnte einen Platz in der Wirtschaftsgeschichte finden: An diesem Donnerstag wurde unübersehbar klar, dass Geld in Steueroasen nicht mehr vor Entdeckung durch die Finanzbehörden sicher ist. Das Geschäftsmodell dieser Staaten und ihrer verschwiegenen Helfer bekommt einen schweren Knacks. Dafür sorgen Einblicke in den einschlägigen Datenfluss über gespeicherte elektronische Medien. Das sieht gut aus – ein Meilenstein in der globalen und bisher oft erfolglosen Fahndung nach Steuerflüchtlingen.
Die brisanten Einblicke wurden durch Datenlecks möglich. Ein internationales Netzwerk von „Daten-Journalisten“ gelangte in den Besitz von 2,5 Millionen Dokumenten über Steueroasen in aller Welt. Sie legen offenbar die Arbeit mutmaßlicher Dienstleister der weltweiten Verschleierung von Vermögenserträgen offen – wie das Geschäft so abläuft. Mancher Steuersünder muss jetzt bangen. Die Rede ist von 130 000 Personen in 140 Ländern.
Leider blieb zunächst klar, was der Journalisten-Verbund mit dem Datenschatz nun anstellt – Enthüllungsberichte formulieren, sicher. Aber werden auch Ross und Reiter genannt? Wird das Material gar Behörden zugänglich? Letzteres wäre problematisch. Journalisten sollten sich nicht in den Dienst der Steuerbehörden stellen.
Wie dem auch sei: Steuerflüchtige können sich endgültig nicht mehr vor Entdeckung sicher fühlen – auch wenn ihr Geld auf dem Weg in Steueroasen Umwege nahm, die schon viele Jahre zurückliegen. Transaktionen und Korrespondenz hinterlassen Spuren im Internet, in elektronischen Mitteilungen. Völlig legale Recherchen sowie Datenklau (durch illoyale Mitarbeiter oder durch Hacker) machen Enthüllungen in neuer Dimension möglich. Kaum einer, der seinem Staat Geld vorenthält, kann im Zeitalter der Kommunikationselektronik mehr sicher sein.
Es wird nun transparenter werden, wie weltweit vorgegangen wird, um Staaten Steuern vorzuenthalten. Das könnte die Basis bilden für globale Initiativen zur Bekämpfung der Steueroasen. Mehr Effizienz ist dringend erforderlich. Denn die Dummen in diesem schmutzigen Spiel sind ja bekanntlich die, die brav ihre Steuern zahlen.
