Die Untersuchung zum Missbrauch im Erzbistum Freiburg ist ein weiterer Sargnagel am traditionellen Priesterbild der katholischen Kirche in Deutschland. Statt auf den Schutz des Menschen waren die früheren Erzbischöfe auf den Schutz der Institution fixiert. Zwar rückt die Studie zuallererst die damaligen Amtsinhaber Oskar Saier und Robert Zollitsch in den Mittelpunkt – aber ihr Versagen steht stellvertretend für den Werteverlust der katholischen Kirchenleitung insgesamt.
Die Freiburger Ergebnisse setzen die bestürzende Reihe der Berichte anderer Bistümer fort. Sexuelle Gewalt durch Priester und Vertuschen durch Vorgesetzte – dieser schwer erträgliche Befund ist nicht neu. Notwendig ist die aktuelle Arbeit aber dennoch: für die vielen Betroffenen einerseits und für die innerkatholische Debatte über Folgen des Missbrauchsskandals andererseits.
Denn hartnäckig hält sich die Meinung, schuldig sei nur der Einzelne, der missbrauche oder vertusche. Sogenannte systemische Ursachen werden geleugnet, Reformen zum Beispiel an Zulassungskriterien zur Priesterweihe abgelehnt.
Zu den missbrauch-begünstigenden Faktoren gehört, dass Priester lange auf einem Sockel standen. In Teilen der katholischen Kirche fehlt weiterhin die Einsicht, dass Geweihte Menschen mit Fehlern und Schwächen sind, dass sie nicht über den Getauften stehen. Der Missbrauchsskandal räumt mit einem fatalen Rollenbild auf. Das ist ein positiver Aspekt in einem rabenschwarzen Thema.
