Der Händedruck wirkte noch etwas ungelenk, doch die Geste hat historische Bedeutung. Anders als vor knapp 53 Jahren hielt die Welt nicht den Atem an, sondern atmet erleichtert auf. Einer der brisantesten Konflikte auf der weltpolitischen Bühne scheint entschärft.

Was im Oktober 1962 beinahe zum Atomkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion führte, taugte nur noch zum Rückblick. Havanna und Washington stehen sich nicht länger feindselig gegenüber, Raúl Castro und Barack Obama beendeten den jahrzehntelangen Kalten Krieg mit einem einstündigen Dialog. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hatten die Vereinigten Staaten mit allen Mitteln versucht, den Lauf der Geschichte auf der nahen Karibikinsel zurückzudrehen. Fassungslos mussten sie die Machtübernahme des Revolutionsführers Fidel Castro hinnehmen. Aktivitäten der Geheimdienste und die geplante Landung von Exil-Kubanern in der Schweinebucht misslangen. Die gescheiterte Invasion wurde zum Fiasko der Weltmacht im Kampf gegen sein kommunistisch regiertes Nachbarland.

Als die Schutzmacht Sowjetunion heimlich Mittelstreckenraketen auf Kuba installierte und die Vorbereitungen von US-Aufklärern entdeckt worden waren, kam es zur Eskalation, die einen atomaren Schlagabtausch möglich werden ließ. Die Welt stand vor dem Dritten Weltkrieg. Erst der Rückzieher von Kreml-Chef Nikita Chruschtschow in letzter Minute und ein lange Zeit unbekanntes Zugeständnis von US-Präsident John F. Kennedy zum Abbau von Raketenstellungen an der Ostgrenze der Türkei verhinderten den heißen Krieg.

In der kubanischen Bevölkerung wachsen jetzt die Hoffnungen auf bessere Lebensumstände. Das sozialistische Wirtschaftssystem und die Isolation durch die USA verhinderten bislang den wirtschaftlichen Aufschwung. Zwar werden in Kürze Botschafter ausgetauscht, doch das Castro-Regime ist noch weit davon entfernt, Meinungs- und Pressefreiheit sowie privates Wirtschaften zuzulassen.

Obama, außenpolitisch bislang glückslos, hat einen großen Schritt gewagt und einen persönlichen Erfolg erzielt. Für Kuba ist es allenfalls der bescheidene Beginn eines langen Weges.