Es sind bestürzende Zahlen. Allein im ersten Halbjahr 2015 kam es in Deutschland zu mehr als 200 Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte. Schon jetzt sind es so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. Das ist an Schäbigkeit schwer zu überbieten.
Wer Menschen, die vor Krieg und Leid aus ihrer Heimat geflohen sind, das Dach über dem Kopf anzündet, kann sich nicht darauf berufen, ein besorgter Bürger zu sein. Es handelt sich um Straftäter, die den Tod von Menschen billigend in Kauf nehmen. Die Zunahme der Gewalt darf allerdings nicht taub machen für die berechtigten Fragen, die Bürger stellen wollen, wenn ein Asylbewerberheim in ihrer Nachbarschaft eingerichtet werden soll.
Fast eine halbe Million Menschen werden in diesem Jahr nach Deutschland kommen, um Schutz zu suchen. Das ist eine Herausforderung für das ganze Land. Die Politik sucht nach pragmatischen Lösungen und bringt unerwartete Allianzen hervor. Aydan Özoguz, SPD-Politikerin und Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, kann sich mit einigen Vorschlägen anfreunden, die Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gemacht hat, um die Flüchtlingszahlen zu senken.
Über die Parteigrenzen hinweg sind sie sich einig, Menschen vom Balkan, die hier aussichtslose Asylanträge stellen, schneller zurückzuschicken, damit die Ämter sich auf Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten konzentrieren können. Das kann ein erster Schritt sein.
