Wolgograd – die Stadt des in einem unvorstellbaren Gemetzel errungenen Sieges der Roten Armee über Hitlers Truppen – prägt auch 70 Jahre nach der Schlacht und mehr als 20 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion die nationale Identität Russlands. Und mehr noch: Die einst nach Stalin benannte Metropole an der Wolga ist zu einem starken Symbol für die Versöhnung der ehemaligen Feinde über den Gräbern geworden.

So wichtig die gemeinsame Erinnerung an die Schrecken des Krieges ist, so wichtig wird vor allem für junge Bürger der Stadt aber auch der Blick in die Zukunft.

Das ehemalige Stalingrad wurde nach dem Krieg zur Vorzeige-Industriestadt ausgebaut. In der postsowjetischen Zeit kämpfen Eisenhütten, Chemiewerke, Maschinenbaubetriebe und Werften nun ums Überleben. Viele Fabriken wurden geschlossen, Fachkräfte wandern ab.

Wolgograd braucht deshalb auch Perspektiven jenseits des Gedenkens. Denn nur eine Stadt mit Zukunft hat die Kraft, die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten.

Ulrich Schönborn
Ulrich Schönborn Chefredaktion (Chefredakteur)