Niedersachsens Bürger stehen an der Schwelle zur einer neuen Welt. Die Landesregierung packt mit Macht das Projekt „Digitale Verwaltung“ an. Das Zieljahr steht längst fest: 2022. An Visionen mangelt’s nicht. Anträge an die Verwaltung? Mit einem Klick. Fragen zum geplanten Carport auf dem eigenen Grundstück? Die Antworten stehen online bereit. Der Gang aufs Rathaus entfällt. Diese Verwaltung ist 24 Stunden im Dienst. Unternehmen werden entlastet, und die Bürger sparen sich stundenlange Wartezeiten.
Die Ideenschmieden arbeiten längst auf Hochtouren. Ob alle mitkommen? Der Zeitplan wirkt ambitioniert. Es reicht nicht, dass IT-Experten ein perfektes System entwickeln, die Bürger müssen mitziehen, und die digitale Verwaltung bis in die kleineste Gemeinde Einzug halten. Ob’s alle schaffen? Wem die digitale Welt immer eine fremde bleiben wird, für den muss es ganz konventionelle Angebote geben – inklusive Gang aufs Rathaus mit Verwaltungsbediensteten, die Anträge noch ganz hausbacken auf Papier entgegen nehmen. Niemand darf diskriminiert werden, nur weil er sich nicht zum digitalen Bürger eignet.
Der Berg an Arbeit für die Landesregierung scheint gewaltig. Das IT-Netzwerk muss höchster Sicherheit genügen und trotzdem leicht zu bedienen sein – für Bürger und für die Mitarbeiter in den Kommunen. Leicht heißt nicht billig. Die bisher eingesetzten Zeit- und Kostenpläne scheinen mehr Wunschdenken als Realität. Zwischen Land und Kommunen klaffen schon jetzt die Vorstellungen über 170 Millionen Euro auseinander. Da droht viel politischer Streit. Ganz handfest. Dazu braucht’s keine Visionen.
