Eine bewohnte Station im Erdorbit, eine Siedlung auf dem Mond, mit einem Zeppelin durch die Atmosphäre der Venus, ein Besuch auf dem Mars: Die Pläne der staatlichen Raumfahrtagenturen sind ehrgeizig. Doch längst sind es nicht mehr nur die USA, Russland und auch die Europäer, die in den Weltraum fliegen. Auch Inder und Chinesen gehören dazu. Und immer mehr private Unternehmen und Initiativen zieht es ebenfalls in die Weiten des Alls.
So hat Raumfahrt bislang meist funktioniert: Ein öffentlicher Auftraggeber bestellt Satelliten, der Hersteller liefert, der Satellit wird mit einer vom Steuerzahler finanzierten Trägerrakete in den Orbit transportiert. Der Enthusiasmus für die Raumfahrt war schon nach den Mondflügen der Siebzigerjahre abgeflaut. Nur Imageträger wie der Astronaut Alexander Gerst auf der Raumstation ISS oder Bilder des Mars-Rover und der Kometenmission Rosetta konnten noch vereinzelt Begeisterung entfachen. Das gab auch Kritikern Auftrieb, die Raumfahrt zu teuer finden: Es gebe genug Probleme auf der Erde, wofür das Geld fehle. Kein gutes Klima, um bei Investoren Begeisterung fürs Weltall zu wecken. Gewinne ließen sich allenfalls mit Aufträgen von Nasa, Esa oder Militär erwirtschaften.
Für private Unternehmen gab es nicht viel Gestaltungsraum. Doch das ändert sich gewaltig. Private Raumfahrtfirmen schicken nun selbst Raketen, Satelliten oder andere Raumfahrzeuge ins All, sie wollen Dienstleistungen anbieten und Geld damit verdienen. Sie zeigen, dass Raumfahrt zu geringeren Kosten als bisher möglich ist. Und sie wollen unabhängig von Aufträgen von Raumfahrtbehörden wie Nasa, Esa oder DLR werden. Das hat den Markt in Bewegung gebracht. Dazu beigetragen haben raumfahrtbegeisterte Unternehmer wie Elon Musk und Amazon-Gründer Jeff Bezos, die mit den Mondflügen aufgewachsen sind und endlich andere Bilder aus dem All sehen wollen als immer nur Astronauten, die durch die ISS schweben.
Die neuen Anbieter inspirieren junge Start-ups ebenso wie Investoren. Die etablierten Unternehmen der Branche müssen umdenken. Die europäische Raumfahrt droht in die Bedeutungslosigkeit abzudriften, wenn sie sich nicht neu erfindet. Erdbeobachtung, Wettervorhersage, Monitoring von Katastrophengebieten und Planung von Hilfeleistungen: Raumfahrt rettet Leben auf der Erde. Medizinische und pharmakologische Forschung – Raumfahrt ist wichtig für die Grundlagenforschung. Europas Raumfahrt muss besser und billiger werden – sonst verliert sie den Anschluss.
