Dieser Bluttest ist ein Paradigmenwechsel. Denn im Interesse des Kindes ist er nicht. Ich möchte keine Zukunft, in der Kinder mit genetischen Varianten – so sie denn geboren werden – quasi zum Privathobby der Eltern werden. Ich möchte nicht, dass Eltern sich rechtfertigen müssen: Sie hätten dieses Kind ja nicht bekommen müssen! Wir zahlen ihnen ja schon den Test. Jetzt sehen sie zu, wie sie damit zurechtkommen. Ich möchte, dass werdende Eltern frei und selbstbestimmt entscheiden können. Doch es ist mir unerträglich, wenn Menschen sich aus Unkenntnis, wegen Vorurteilen oder sozialer und finanzieller Sorgen gegen ein Kind mit Down-Syndrom entscheiden. Denn dann ist es genau keine freie Entscheidung! Es ist eine Frage an uns alle, warum so viele Frauen meinen, ihr Kind mit Down-Syndrom nicht austragen zu können. Warum fühlen sich viele allein gelassen und unter Druck? Werdende Eltern müssen frei und selbstbestimmt eben auch sagen können: Nein, ich möchte diesen Test nicht machen, es kommt, wie es kommt. Was wir dafür brauchen? Erstens: individuelle Aufklärung und Beratung bereits vor dem Test, dahingehend, dass ihn nichts im Sinne des Kindes erforderlich macht. Dazu ergebnisoffene Beratung und Begleitung direkt nach dem Testergebnis. Zweitens: konkrete Indikationen, bei denen die Kosten übernommen werden, um nicht zu einem vorgeburtlichen Massenscreening zu kommen.
Und drittens: eine wirklich inklusive Gesellschaft, in der alle Verschiedenheiten willkommen sind.
