Hans-Peter Friedrich darf als befangen gelten. Wurde der CSU-Mann doch im Zuge der Edathy-Affäre vom Kanzleramt fallengelassen und musste sein Berliner Ministeramt aufgeben. Doch unabhängig davon trifft Friedrichs Kritik am Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht den Kern der Sache.

Die Analyse ist nicht haltbar, dass die rechtspopulistische AfD deshalb so stark geworden ist, weil die Union freiwillig den rechten Rand geräumt hat. Schließlich erhält die AfD Zulauf von Anhängern aller Parteien. Auch ist die Pegida-Bewegung wohl kaum so stark geworden, weil die Union zu weit in die Mitte gerückt ist. Die Menschen, die in Dresden, Bonn und anderswo gegen die angebliche Islamisierung des Abendlandes auf die Straße gehen, werden von diffusen Ressentiments angetrieben, hinter ihrem Protest steckt auch Sorge um die eigene Zukunft. Der Politikverdrossenheit, die sich hier Bahn bricht, hat keine Partei etwas Substanzielles entgegenzusetzen. Radikale Schwenks in den Parteipositionen helfen hier aber auch nicht weiter.