Dauerhafter Kreditspielraum auf dem Girokonto („Dispo“) kann durchaus nützlich sein – doch die Zahl der Kritiker wächst. Schließlich werden rote Zahlen auf dem Girokonto nicht selten zum Start einer Schuldenkarriere. Und das zu hohen Zinsen von oft zehn Prozent oder mehr im Jahr. Noch deutlich stärker langen Kreditinstitute hin, wenn Kunden das gesetzte Limit „überziehen“. Dies ruft schon seit Jahren die Verbraucherschützer auf den Plan.

Wie es aussieht, wird es bald eine gesetzliche Regelung geben. Hoffentlich wird hier eine unbürokratische Lösung gefunden. Denn der „Dispo“ an sich ist ja nicht schlecht. Er ermöglicht spontane Einkäufe auch über die aktuell vorhandene Liquidität hinaus – ohne, dass man gleich mit Papierkram einen Ratenkredit abschließen muss. Dieses Vorgehen ist bekanntlich so lange unproblematisch, wie das Minus auf dem Girokonto bald wieder ausgeglichen werden kann. Leider ist das aber oft eben nicht der Fall. Kunden hängen dann in einer ungünstigen Finanzierung fest – oft wohl auch aus Unwissen über Alternativen.

So gesehen verdient der Vorschlag des Commerzbank-Chef Blessing Beachtung. Es solle üblich für die Branche werden, Kunden mit Schulden auf dem Girokonto nach einer gewissen Frist anzuschreiben und günstigere Alternativen anzubieten. Im Kern wird das Problem allerdings nur mit mehr Finanzbildung für alle zu lösen sein.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)