Die Lust auf Alkohol ist bei den Deutschen ungebrochen. Mal ehrlich, wundert sich noch jemand über die Erkenntnis aus dem „Jahrbuch Sucht“? Derweil jede Zigarettenschachtel mit Schockbildern zugepflastert ist und jeder Joint unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, ist die einzig ernstzunehmende Warnung auf einer Bierflasche die Promilleangabe.

Wer zu schnell Auto fährt, soll wegen Mordes verurteilt werden. Wer rübenvoll am Steuer sitzt, dem droht maximal ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung. Da wird doch mit zweierlei Maß gemessen.

Was ist zu tun? Den Staat an seine Fürsorgepflicht erinnern? Schließlich wird etwa in Norwegen und Schweden dank hoher Steuern und massiver Werbeverbote deutlich weniger Alkohol konsumiert als in Deutschland. Auch wenn man das beim Anblick mancher Skandinavier an deutschen Flughafenbars oder auf Ostseeschiffen nicht so recht glauben mag. In den USA ist Alkohol erst ab 21 Jahren erlaubt. Auch dort trinken Jugendliche deshalb weniger als im Vergleich zu ihren deutschen Altersgenossen. Also Steuern rauf, Schockbilder auf die Pulle und striktes Alkoholverbot bis 21 Jahren? Nein, das wäre nur Kosmetik.

So lange wir Menschen bei dieser Sucht einfach wegschauen und nicht einmal den Mumm aufbringen, selbst unsere nächsten Angehörigen auf ein etwaiges Alkoholproblem anzusprechen, wird sich die Statistik nicht ändern. Beim Thema Alkohol bagatellisieren wir Deutsche wie keine andere Nation. „Hoch die Tassen und Prost.“ Das erste Bier mit 16 gehört schon fast zur Reifeprüfung. 22 000 Patienten im Alter von zehn bis 19 Jahren wurden 2015 wegen Alkoholproblemen im Krankenhaus behandelt – eine Steigerung um 130 Prozent gegenüber dem Jahr 2000.

Wer Gefangener des Flaschengeistes ist, den kann nur die Familie, ein Freund oder eine der zahlreichen Selbsthilfegruppen, seien es beispielsweise der Kreuzbund oder die Anonymen Alkoholiker (AA), helfen. Vor allem diese Einrichtungen sind unbezahlbar und müssen in ihrer Arbeit ver- und bestärkt werden. Allerdings setzt all dies die Einsicht einer Person voraus, die des Süchtigen selbst.