Tatort Bamf? Als hätte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht bereits Probleme genug, kommt jetzt auch noch ein Skandal dazu, dessen Ausmaß noch nicht abzusehen ist. Korruption und Bestechlichkeit, massenhafte Manipulation von Asylverfahren über Jahre hinweg – ein schwerwiegender Verdacht, der die Arbeit der Behörde überschattet.

Mag sein, dass es sich bei dem Fall in Bremen um einen Einzelfall handelt, bei dem einige Wenige mit hoher krimineller Energie dafür gesorgt haben, dass Recht gebrochen, Asylentscheide verändert und Abschiebungen verhindert worden sind. Dass dies allerdings offenbar über Jahre unbemerkt geblieben ist, wirft Fragen auf. Wenn hier Kontrollmechanismen nicht vorhanden sind oder versagen, stellt sich die Frage nach der Qualität und Arbeitsweise der Behörde. Der Fall in Bremen muss dringend und umfassend aufgeklärt und sichergestellt werden, dass es keine Fehler mehr im System gibt, die es möglich machen, Asylverfahren in diesem Maße zu manipulieren.

Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag bereits auf eine Qualitätsoffensive verständigt, die die Asylverfahren verbessern, Fehler und Missbrauch verhindern sollen. Im Zuge der Hochphase der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 hatte es gerade beim Bundesamt zeitweise einen Kontrollverlust gegeben. Jetzt gilt es, genauer hinzuschauen. Da jede positive Asylentscheidung nach drei Jahren noch einmal überprüft werden muss, kommt jetzt eine Herkulesaufgabe auf die Behörde zu. Angesichts der jüngsten Vorwürfe sollte diese allerdings entschlossen und akribisch vorgenommen werden. Vor einem Generalverdacht und voreiligen Schlüssen über das Bamf und seine Arbeit sei jedoch gewarnt.