Frankreichs Präsident Emmanuel Macron war im September 2017 mit seinen EU-Reformplänen fulminant nach vorn geprescht. Ein europäischer Finanzminister, ein eigener Haushalt für die Eurozone, Vertiefung der Bankenunion. Doch das Feuer, das er damals entfachte, ist fast erloschen. Zu groß ist die Skepsis vor allem in vielen Nord-Ländern und auch in Teilen der Benelux-Staaten, für teilweise klamme andere Nationen finanziell einzustehen.

Macron jedoch lässt nicht locker. Seine Absichten sind zweierlei: Er will als EU-Visionär an Reputation gewinnen; zudem sollen Änderungen in der EU das französische Volk für harte Reformen im eigenen Land entschädigen.

Jetzt blicken alle Augen nach Berlin. Wenn der Staatspräsident am Donnerstag in die deutsche Hauptstadt reist, wird Angela Merkel Tacheles reden müssen. Ihre bisherige Ausrede, nur geschäftsführend im Amt zu sein, zählt nicht mehr. Sie muss ihrem Freund aus Paris klarmachen, dass dessen EU-Pläne in Deutschland keine Chance haben. Würde die Kanzlerin die heißen Eisen anfassen, würde sie sich mächtig die Finger verbrennen. Es gäbe massiven Widerstand in der eigenen Partei; zudem würde die AfD mächtig Kapital daraus schlagen. Das weiß Merkel, deshalb wird sie auf Macrons Ansinnen ein klares, aber freundliches „Non“ folgen lassen.

Hermann Gröblinghoff
Hermann Gröblinghoff Politikredaktion (Newsdeskmanager)