Küsschen und Komplimente zur Begrüßung, ein Lächeln und freundliche Worte, mehr als ein Händedruck für den Gast aus Deutschland.
Donald Trump geht in die Charmeoffensive, beglückwünscht die deutsche Kanzlerin sogar zur ihrer Wiederwahl. Der US-Präsident wirkt wie ausgewechselt, ist kaum wiederzuerkennen. Anders als bei der Premiere vor einem Jahr gab es diesmal im Oval Office keinen Affront. Doch der warme Empfang ist nur gute Miene zu bösem Spiel. So freundlich sich Trump vor den Kameras gegenüber dem Gast aus Berlin auch gibt, so hart bleibt er in der Sache. Im Streit um Strafzölle und Handelspolitik gilt für ihn weiter „America First“, will er den Druck auf Europa erhöhen und dreht an der Eskalationsspirale in Richtung Handelskrieg.
Mag Trump auch von einer Beziehung zwischen den USA und Europa auf der Grundlage von Gegenseitigkeit sprechen, so meint er doch etwas anderes. Europa, zahlen bitte! So lautet seine Botschaft. Der Handelsüberschuss und der wirtschaftliche Erfolg der Europäer sind ihm ein Dorn im Auge, soll durch Strafzölle gebremst werden. Und die NATO-Partner – allen voran Deutschland – will der Präsident stärker in die Pflicht nehmen, ihre Rüstungsausgaben deutlich zu erhöhen. Wer die Kanzlerin aber jetzt schon auf dem Weg ins außenpolitische Abseits sieht, der irrt. Merkel darf man nicht unterschätzen.
