Mehr als 50 Jahre lang war es erste Adresse für Staatsgäste und Superstars: das Maritim Grand-Hotel gegenüber des Neuen Rathauses in Hannover. 2015 checkte der letzte Gast aus. Seitdem steht der große graue Klotz am Friedrichswall leer. Die Kernsanierung des einstigen Hotels mit 285 Zimmern (allein die Präsidentensuite kostete 1600 Euro pro Nacht) ist zu einer unendlichen Geschichte geworden und zerrt gewaltig an den Nerven der Verantwortlichen im Rathaus.

Eigentümerin des Betonklotzes, den viele Hannoveraner als Synonym für den Baustil des „Brutalismus“ sehen, ist das Immobilien-Imperium Lianeo (einst: Intown). Es ist laut Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt verpflichtet, das Gebäude zu erneuern und wieder am Markt zu platzieren. Es gab dazu bereits einen Architekten-Wettbewerb. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung 2016 hatte die Landeshauptstadt hier Geflüchtete untergebracht. Die sind Ende 2018 wieder ausgezogen. Doch die Kernsanierung zieht sich schier endlos in die Länge.

Derweil reißen die schlechten Nachrichten von der Baustelle in bester City-Lage nicht ab. Örtliche Medien berichten von mangelhaften hygienischen Zuständen. 50 Bauarbeiter, meist Bulgaren, die dort auch übernachten mussten, hatten dort weder Toiletten noch fließendes Wasser. Das Gewerbeaufsichtsamt schritt ein – auch, weil die Asbest-Demontage offenbar unsachgemäß durchgeführt worden sei.

Zwischenzeitlich signalisierten die Investoren, dass sich der Umbau nur schwer realisieren lasse. Der Brandschutz käme sehr teuer und die Räume seien zu niedrig, um eine zeitgemäße Lüftung einbauen zu können. Nun ist der Bautrupp abermals abgezogen, und alle rätseln, was der Investor im Schilde führt.

Weil die Messe und der Tourismus in der Pandemie brach liegen, stehen die Hotelkapazitäten auf dem Prüfstand. Das entkernte Maritim als Mahnmal für die darbende Hotelbranche? Das Problem am Friedrichswall: Laut Vertrag ist an dieser Stelle nur ein Hotel erlaubt, bestätigt Stadtsprecher Udo Möller. Die Stadt überprüfe regelmäßig, ob die Vorgaben eingehalten werden. „Bisher wurden alle konkreten Fristen vertragsmäßig eingehalten.“ Fragt sich nur, welcher Zeitplan gemeint ist. Eigentlich war die Fertigstellung für 2017 anvisiert. Nun ist Anfang 2021 und erneut Baupause.

Dass Hotelbetten in Hannover benötigt werden, zeigt aber ein anderes Beispiel: Am Mittwoch gab der Bauausschuss grünes Licht für einen Hotelneubau am Steintorplatz – mitten im Rotlichtmilieu.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent