Im Kabarett dürfte das für Heiterkeit sorgen: Ein Flugzeug hat zwei Flügel; dann benötigt ein Flughafen vermutlich auch zwei Chefs? Beim Airport Hannover kreisen offenbar solche Gedankenspiele. Dort steht Flughafen-Geschäftsführer Raoul Hille (60) vorm Abflug. Nach 18 Jahren an der Unternehmensspitze will er seinen Vertrag, der 2022 ausläuft, nicht verlängern. Nun denkt man darüber nach, beim Flughafen zu einer Doppelspitze zurückzukehren. Nicht ausgeschlossen, dass der Aufsichtsrat das Thema bereits in der Sommersitzung auf die Agenda nimmt, verrät Airport-Sprecher Sönke Jacobsen.

Seit 1952 sind die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen Gesellschafter der Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH; dritter Anteilseigner ist seit Oktober 2018 der private Investor Icon.

Die Idee von der Doppelspitze stößt in der hannoverschen Ratspolitik auf Kopfschütteln. „In einer Zeit, wo eigentlich gespart werden sollte, sind solche Pläne schon mutig“, sagt SPD-Fraktionschef Lars Kelich. Denn der zweite Chefposten würde mit 250 000 Euro im Jahr zu Buche schlagen. Zudem erlebte der Flughafen im Zuge der Corona-Pandemie einen nie dagewesenen Umsatzrückgang. Die Anteilseigner sprangen dem Airport mit einer Bürgschaft von 60 Millionen Euro zur Hilfe. Der Schuldenberg der Flughafen-GmbH wächst in diesem Jahr auf 200 Mio. Euro. Geschäftsführer Hille hat dem Unternehmen einen drastischen Sparkurs mit Personalabbau verordnet. Auch Niedersachsens Steuerzahlerbund meint, die Doppelspitze sei „nur schwer vermittelbar“.

Wie bei „Miles and more“ sammeln die Befürworter Argumente: Bis 2004 waren zwei Geschäftsführer in Langenhagen aktiv. Zudem hätten alle großen Verkehrsflughäfen zwei Geschäftsführer, München sogar drei. Durch die Struktur werde das Vier-Augen-Prinzip bei wichtigen Entscheidungen gewahrt. Auch im Rathaus von Hannover tut sich etwas: Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (60) macht Ende Juli den Abflug bei der Landeshauptstadt. Für eine zweite Amtszeit will die Grünen-Politikerin nicht kandidieren. Vielmehr ist die Betriebswirtin, die vor ihrer Rathaus-Zeit unter anderem Prokuristin beim Verkehrsunternehmen Üstra war, am Posten einer kaufmännischen Geschäftsführerin beim Flughafen interessiert. Ihre Chancen gelten als gut.

Doch vor allem die CDU im Stadtrat will die Startbahn für Tegtmeyer-Dette nicht freimachen. Sie fürchtet Reglementierungen. Denn die Grünen wollen die Gebühren für Inlandsflüge verteuern. Auch Nachtflüge in Langenhagen sieht die Öko-Partei kritisch. Da trifft es sich gut, dass 2022 wieder eine Landtagswahl ansteht. Der Flughafen eignet sich ideal als Verhandlungsmasse bei künftigen Koalitionsverhandlungen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent