Dieses Ergebnis ist ein echter Hammer. Zwar bleibt die AKP von Recep Tayyip Erdogan stärkste Kraft in der Türkei, durch den Verlust der Macht in Großstädten wie etwa Ankara und Antalya bedeutet der Ausgang dennoch eine Klatsche für den Präsidenten. Denn Erdogan hatte massiv persönlich Wahlkampf betrieben und dabei mit harten Bandagen gekämpft. So ließ er etwa das Video des Attentäters von Christchurch zeigen und warf in diesem Zusammenhang der westlichen Presse vor, das Thema zu ignorieren.

Genützt hat das Ganze offenbar nichts. Trotz der Unterstützung durch von ihm auf Linie gebrachte Medien haben die Menschen ihren Unmut an den Wahlurnen kundgetan. Sie sind vor allem unzufrieden mit der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung im Land, verursacht unter anderem durch den Wertverfall der türkischen Lira im vergangenen Jahr. Dadurch verteuerten sich die Importe exorbitant, die Inflation stieg an.

Um seine Macht muss Erdogan trotz allem nicht bangen. Zu sehr hat er das Regierungssystem des Landes auf seine Bedürfnisse zugeschnitten, als dass ihm irgendjemand gefährlich werden könnte. Erneut gewählt wird erst im Jahr 2023. Bis dahin kann Erdogan herrschen, wie er will.

Hermann Gröblinghoff
Hermann Gröblinghoff Politikredaktion (Newsdeskmanager)