Pro: Wichtiges Puzzleteil
Um den Alltag wieder lebendiger zu gestalten und der Wirtschaft wieder auf die Füße helfen zu können, ohne ein erneutes exponentielles Wachstum von Infektionen zu riskieren, müssen wir unser Leben verändern: durch Abstand, Schutzmasken – und die Nutzung einer Tracing App.
Autor dieses Textes ist Chritian Schwarz (41). Er beschäftigt sich als Online-Redakteur mit digitalen Themen. (Foto: privat)
Nun ist eine App, die Kontakte zu anderen Smartphones speichert, kein Traum von Datenschützern. Doch nach allem, was von der europäischen PEPP-PT-Technologie, die Grundlage der App wäre, bekannt ist, speichert sie eben nicht, wo und mit welcher Person der Smartphone-Nutzer Kontakt hatte. Die GPS-Daten bleiben unangetastet. Selbst der Bundesdatenschutzbeauftragte hat gegen eine solche App nichts einzuwenden.
Außerdem soll die Nutzung der App freiwillig sein. Wer staatlichen oder privaten Missbrauch der App nach dem Ende der Pandemie befürchtet, kann sie wieder entfernen.
Die App kann aber nur ihre Wirkung entfalten, wenn eine Mehrheit der Smartphone-Besitzer sie auch installiert. Doch was haben sie zu verlieren? In Deutschland nutzen rund 58 Millionen Menschen ein Smartphone. Auf fast jedem von ihnen befindet sich der Messenger Whatsapp. Und die weiß genau, wo sie sich aufhalten, wer ihre Kontakte sind und mit wem sie Nachrichten verschicken. Wer bei Whatsapp keine Bedenken hat, sollte sie bei einer Tracing-App auch nicht haben.
Kontra: Ich bin raus
Ohne mich: Ganz sicher werde ich keine Corona-App auf meinem Telefon installieren. Dafür gibt es gute Gründe, auch wenn Bundesregierung & Co. es zu sozial erwünschten Verhalten erklären, zukünftig eine Art Wanze mit sich herumzutragen.
Autor dieses Textes ist Alexander Will (49). Er schreibt über deutsche und internationale Politik (Foto: Bichmann)
Noch misstrauischer sollte man die Kooperation von Google und Apple beäugen. Die haben sich tatsächlich zusammengeschlossen, um im Mai Smartphone-Besitzer mit einer Schnittstelle zu beglücken, die Kontaktverfolgung per Bluetooth ermöglicht. Angeblich soll man gefragt werden, ob man sie aktivieren möchte. Andererseits wird sie zwangsweise per Update des Betriebssystems aufgespielt. Nun sind die beiden Tech-Giganten als hemmungslose Datensauger wohlbekannt. Altruistisch haben sie noch nie etwas getan. Warum sollte es diesmal anders sein?
Politiker aus CDU und CSU denken zudem laut darüber nach, Corona-Apps zur Pflicht zu machen oder auch sanften Druck auf Smartphone-Besitzer auszuüben, sie zu nutzen. Das geht gar nicht.
Doch zum Glück kann man sich (noch) wehren: Betriebssysteme im Mai nicht updaten. Bluetooth abschalten. Einwilligungen versagen. Staats-Apps nicht installieren. Siri, Alexa & Co. am besten auch gleich deaktivieren. Und kommt die App-Pflicht, liegt sicher noch irgendwo ein altes Nokia herum. Lowtech statt Hightech heißt es dann.
