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NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Ist die Widerspruchslösung richtig?

16.01.2020

Pro: Ja zum Leben

Alle acht Stunden stirbt statistisch gesehen ein Patient, weil er kein passendes Spender-Organ erhalten hat. Mit der „doppelten Widerspruchslösung“ könnte sich der Umgang mit Organspenden ändern – und viele Leben gerettet werden.

Autorin dieses Textes ist NWZ-Redakteurin Mareike Wübben. (Foto: privat)

Nur 36 Prozent der Deutschen haben einen Organspendeausweis – dabei stehen laut Bundesgesundheitsministerium 84 Prozent der Bevölkerung der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber. Die Gründe, warum ein Ausweis fehlt, sind vielfältig: Fehlende Informationen oder auch schlicht der ungute Gedanke, sich mit dem Thema Tod auseinander zu setzen. Mit der Gesetzesänderung würde automatisch umgesetzt, was viele sowieso gut finden.

Mit der Widerspruchslösung könnte sich außerdem der Umgang mit dem Thema Organspende verändern. Das Spenden würde normal werden. Dann ist für ein Ja nicht mehr das Ausfüllen eines Formulars oder Ausweises nötig. Nur wer nicht Spenden möchte, muss sich in ein Register eintragen. Die „Hürde“ für die Zustimmung – wenn man den Spenderausweis als eine solche bezeichnen mag – fällt weg.

Und weil Deutsche automatisch zum Spender werden, könnte es auch sein, dass sich viele Menschen intensiver mit dem Thema auseinandersetzten. So wächst das Wissen um die Organspende, und das Thema rückt stärker in den öffentlichen Diskurs.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Angehörigen werden in ihrer Entscheidung entlastet. Bisher müssen diese bei fehlendem Ausweis entscheiden, was im Sinne des Verstorbenen ist. Mit der neuen Regelung würden Ärzte nur fragen, ob die Angehörigen ein Nein oder einen anderen Willen des Verstorbenen kennen. Ist dies nicht der Fall, wird der Verstorbene zum Spender – das erleichtert das Prozedere für die Trauernden.

9000 Menschen warten auf ein Organ – es wird Zeit, dass sich mit der neuen Regelung daran etwas ändert.

Kontra: Ja zur Freiheit

Es gibt kaum ein Thema, das so einseitig diskutiert und vereinfacht wird wie das Thema Organspende. Es geht um mehr als die Frage „Leben retten ja oder nein“.

Sieben Gedanken dazu:

Autor dieses Textes ist NWZ-Chefreporter Karsten Krogmann. (Foto: privat)

1. Organe werden nach dem Hirntod entnommen; sie müssen „lebensfrisch“ sein, damit sie weiterleben können. Der Mensch ist mehr als sein Hirn; für viele Ethiker ist der Hirntod deshalb nicht das Ende des Lebens, er markiert einen Punkt im Sterbeprozess. Sterben gehört zum Leben. Der Hirntod als Endpunkt ist eine künstliche Definition: nötig, um Organtransplantationen zu ermöglichen.

2. Jeder Mensch hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit. So steht es im Grundgesetz, Artikel 2. Auch die Würde des Menschen ist unverletzlich, Artikel 1 Grundgesetz. Die automatische Organentnahme per Gesetz ist ein bislang beispielloser Angriff auf unsere Verfassung.

3. Die Hirntoddiagnostik ist umstritten, es gibt ethische Bedenken, sogar Ängste davor. Niemand sollte widersprechen müssen, wenn er sich dieser Diagnostik nicht aussetzen möchte.

4. Ja, Spenderorgane können Leben retten. Das ist eine großartige Errungenschaft der Medizin. Ein Mensch stirbt aber nicht, weil er kein Spenderorgan bekommen hat; er stirbt, weil er todkrank war.

5. Eine Spende kann kein Automatismus sein, dem widersprochen werden muss. Statt „Spenderorgan“ bräuchten wir neue, weniger euphemistische Begriffe: „Fremdorgan“ oder „Totenorgan“.

6. Spenderorgane können Leben retten, mehr Spenderorgane könnten mehr Leben retten. Wer ihre Zahl erhöhen will, darf nicht verordnen, er muss werben. Wir brauchen endlich eine Ethikdiskussion, die Tabus wie Sterben und Hirntod nicht scheut.

7. Zweifel müssen erlaubt sein. Nicht jeder sieht sich in der Lage, gesund Entscheidungen zu treffen, die seinen kranken oder sterbenden Körper betreffen. Es gehört zur demokratischen Freiheit, sich nicht zu entscheiden.

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Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
Rufen Sie mich an:
04471 9988 2804
Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2020
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