Über die Hälfte der Deutschen empfindet den Islam als Bedrohung. So heißt es in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Kaum veröffentlicht, schon gibt es die üblichen, reflexartigen Reaktionen. Aiman Mazyek etwa, Chef des Zentralrats der Muslime, verdammt die Deutschen als Islamfeinde. Wer sehen kann, nimmt jedoch anderes wahr.

Es sind zwei Fragen, die man sich bei der Beurteilung derartiger Studien stellen sollte. Erstens: Zwei junge Männer, die sich explizit auf den Islam berufen, töten Unschuldige. Die islamische Welt quittiert das mit brüllendem Schweigen. Wenn ein Europäer eine Karikatur Mohammeds zeichnet, führt das zu Aufruhr und Gewalt. Warum ist das so? Zweitens: Wenn, wie es in der Studie heißt, 80 Prozent der Muslime die Demokratie befürworten, warum lassen sie dann zu, dass die restlichen 20 Prozent sowie eine militante Minderheit das Bild bestimmen?

Nein, Herr Mazyek, es gibt keinen „strukturell islamfeindlichen Boden“. Es gibt Fragen, die nicht befriedigend beantwortet sind und Klärungsbedarf innerhalb des Islam.

Dr. Alexander Will
Dr. Alexander Will Mitglied der Chefredaktion (Überregionales), Leiter Newsdesk