Erst waren Fernbuslinien in Deutschland nur in Ausnahmefällen genehmigungsfähig. Die Bahn hatte das Privileg auf den Fernverkehr. Dann wurde der Markt liberalisiert. Fernbuslinien durften deutsche Städte miteinander verbinden. Das hatte einige Folgen für den vormaligen Monopolisten Deutsche Bahn: Die Busse erreichten ein neues und vor allem preisbewusstes Publikum, mittlerweile sind selbst kleinere Kreisstädte an das Fernbusnetz angeschlossen. Fernbushaltestellen entstanden in den Städten, ganze Fernbusbahnhöfe werden geplant, um die Nutzermassen zu bewältigen und zu lenken. Und die Bahn musste und muss ihr Angebot auf die Konkurrenz auf der Straße einstellen. Neben dem Preis sind das durchaus interessante Zusatzangebote. Denn viele Unternehmen bieten kostenlosen Internet-Zugang in den Bussen, davon kann der Bahnkunde nur in der teuren ersten Klasse profitieren.

Doch nun entdeckt der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Christian Pegel (SPD) aus Mecklenburg-Vorpommern, dass Busse auch auf Straßen rollen und die Verkehrsinfrastruktur belasten. Um Abhilfe zu schaffen, ist auch gleich ein Vorschlag zur Hand: eine Maut für Fernbusse. Das ist ein Widersinn: Die Politik hat ja erst vor Kurzem den Fernbusmarkt liberalisiert, das zarte Pflänzchen hat sich entwickelt, und überdies werden durch Fernbusanbieter Strecken bedient, von denen sich die Bahn verabschiedet hat. So gibt es Fernbusstrecken aus den Ruhrgebietsmetropolen in Richtung ostfriesische Nordseeküste.

Natürlich ist die Bahn das umweltfreundlichste Transportmittel. Aber eine Bahnreise vom Norden in den Süden der Republik kostet deutlich mehr als mit dem Fernbus. Die Bahn zahlt zwar Nutzungsentgelte für die Strecken – die aber in der Kasse der eigenen Konzerntochter landen. Darüber kann man auch einmal debattieren, wenn die große Keule Maut hervorgeholt und der Zustand der Verkehrsinfrastruktur beklagt wird.

Die Verkehrsministerkollegen von Pegel werden das auch wissen und den Vorschlag Fernbus-Maut entsprechend einordnen: Zum Auftakt einer Ministertagung darf man auch einmal provozieren. Dann wird das Thema ad acta gelegt.