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NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Warum der Videobeweis den Fußball zerstört

28.08.2018

Oldenburg Die Sommerpause ist vorbei, endlich können Fans wieder mit ihren Teams in der Fußball-Bundesliga jubeln. Doch gleich zu Beginn steckt Sand im Getriebe. Viele Partien werden zerpfiffen, die Stimmung ist drückend bis vergiftet. Und der Schuldige ist offenbar schnell ausgemacht: der Videobeweis.

Es will einfach nicht so recht klappen mit einer guten Beziehung zwischen Fans und dem technischen Helfer. Dabei waren die Vorzeichen gar nicht so schlecht, bei der Fußball-WM in Russland war der Einsatz durchaus erfolgreich, die Erwartung, dass es auch in der Bundesliga besser werden würde, erfüllte sich aber am ersten Spieltag nicht.

Als der Videobeweis zur Saison 2017/18 startete, war die Euphorie groß. Endlich sollte es Klarheit bei strittigen Szenen geben und dadurch weniger Ungerechtigkeit – das war zumindest der Plan. Die Ernüchterung folgte schnell, immer mehr Kritiker meldeten sich zu Wort. Bislang ist der Videobeweis leider vor allem eines: ein Emotionstöter und Spielflusszerstörer.

Der Schiedsrichter sollte die Hoheit über die Partie behalten, seine Tatsachenentscheidungen gelten und der Videoassistent nur dann eingreifen, wenn es sich um eindeutige Fehlentscheidungen handelt. Der erste Spieltag hat aber gezeigt, dass es hier offenbar noch am Fingerspitzengefühl mangelt.

Sehen Sie hier auch einen Kommentar von Sportredakteur Lars Blancke:

Die zurückgenommene Rote Karte gegen Wolfsburgs Wout Weghorst nach einer vermeintlichen Tätlichkeit ist nur ein Beispiel. Für Ex-Referee Markus Merk gab es keine zwei Meinungen, es sei „klar Rot“ gewesen und die eigentliche Entscheidung des Schiedsrichters daher absolut vertretbar. Warum also greift der Videoassistent ein? Das Schiedsrichtergespann wirkte danach verunsichert, Referee Patrick Ittrich zückte später gar versehentlich eine Rote statt einer Gelben Karte.

Es blieb nicht die einzige strittige Videobeweis-Szene. Bei Hoffenheim richtete sich der Unmut gegen Schiedsrichter Bastian Dankert und dessen Video-Gehilfen. Vor allem die Elfmeter-Szene nach einem angeblichen Foul an Bayerns Franck Ribéry vor dem spielentscheidenden 2:1 für die Münchner sorgte für Diskussionen.

Daher sollte die Frage erlaubt sein, wie weit der Videobeweis gehen darf. Fußball lebt von Emotionen. Gibt es künftig etwa nur noch Torjubel, nachdem der Schiedsrichter auf den Punkt zum Wiederanpfiff zeigt? Ist es noch Fußball, wenn sechs Szenen vor einem Torabschluss gefoult wird und daher der Treffer nicht zählt, das aber erst nach einem ausgiebigen Jubel kommuniziert wird? Natürlich kann sich der Referee bei einer Tatsachenentscheidung irren, doch auch der Videobeweis ist davor nicht sicher, wird er ebenfalls von Menschen bedient.

Warum hat das alles bei der WM scheinbar besser funktioniert? Nur, weil viele Zuschauer nach dem Ausscheiden der deutschen Elf neutral waren, im Gegensatz zur Bundesliga, wo energisch mit dem eigenen Team mitgefiebert wird. Es ist völlig normal, dass Entscheidungen gegen das eigene Team schneller als ungerecht empfunden werden. Daran ändert der Videobeweis nichts. Es wird auch mit ihm stets Diskussionen darüber geben, ob ein Eingriff gerechtfertigt war oder warum er ausgerechnet in einer anderen Szene ausgeblieben ist.

Nachholbedarf herrscht auch bei der Kommunikation mit den Zuschauern. Zwar gibt es mittlerweile Einblendungen auf den Leinwänden, warum das Spiel gerade unterbrochen ist. Mehr als die Info, dass wegen eines Fouls überprüft wird, gibt es allerdings nicht. Doch auch, wenn diese Dinge nachgebessert werden, ist es ist ein Trugschluss zu glauben, dass eine Technologie, die in Spielarten wie Eishockey seit eh und je zum Einsatz kommt, auch im Fußball gut funktionieren wird. Die Spieldynamik und der -aufbau sind ganz anders.

Momentan erweist sich der vermeintliche Helfer eher als Spielverderber. Solange hier nicht gravierend nachgebessert wird, bleibt denjenigen, die Fußball noch mit allen Emotionen erleben möchten nur, sich Spiele in unteren Ligen anzuschauen. Und die Erkenntnis, dass Technik – sei sie auch noch so gut – nicht fehlerfrei ist, so lange ein Mensch sie bedient.

Sabrina Wendt
Redakteurin
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2042

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