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NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

„Tötet den Buren“

19.09.2018

Oldenburg Wer heute in den Ländern des südlichen Afrika unterwegs ist, wird unweigerlich auf dieses Thema stoßen: die mörderischen Angriffe auf vorwiegend weiße Landwirte in der Republik Südafrika und die damit einhergehende Destabilisierung des Landes. Diese Angriffs- und Mordwelle ist zudem wohl eines der medial am hartnäckigsten ignorierten Themen der internationalen Politik und der Menschenrechte.

Vor wenigen Wochen ist nun erstmals eine umfangreiche Untersuchung dieses Phänomens erschienen, die es in sich hat. Autor ist der Südafrikaner Ernst Roets. Der Jurist arbeitet hauptberuflich für das „Afriforum“, eine Nichtregierungsorganisation, die sich für Schutz der Rechte von Minderheiten engagiert.

Unmenschliche Gewalt

Sein Buch beschreibt nicht mehr und nicht weniger als eine ethnische Säuberung, die mit massiver Brutalität vor sich geht. Etwa so: „Auf Bina Cross (76) wurde zweimal geschossen. Man ließ sie liegen, damit sie langsam verblutete, während die Täter ihren Ehemann (77) folterten. Er wurde im Bad angebunden. Dann stopften sie ihm den Schlauch der Dusche in den Hals und öffneten das Ventil mit dem heißen Wasser. Nach einigen Stunden schossen sie ihn in den Kopf. Der Gerichtsmediziner fand seine inneren Organe völlig verbrannt vor.“

Roets beschreibt Überfälle auf landwirtschaftliche Betriebe in Südafrika als tägliches Phänomen. Morde ereigneten sich im Durchschnitt einmal wöchentlich. Das alles seien keine Einzelfälle, und die Verbrechen häuften sich in den vergangenen Jahren massiv.

Zwischen 1996/1997 und 2016/2017 habe es insgesamt mindestens 12 245 Angriffe mit mehr als 1700 Morden geben. Gab es 2015/2016 noch 446 Überfälle mit 49 Ermordeten, waren es 2016/2017 schon 638 mit 74 Ermordeten. Es handelt sich bei den Opfern so gut wie immer (94 Prozent) um weiße Farmer, die der Bevölkerungsgruppe der Buren angehören. Die Täter hingegen sind ausschließlich schwarz.

Landwirte leben gefährlich

Das scheint nun mit Blick auf die enorm hohe Gewaltkriminalität in Südafrika eher ein Randaspekt zu sein – allerdings wird das wahre Ausmaß des Schreckens klar, wenn man diese Zahlen ins Verhältnis zur Größe der betroffenen Gruppe setzt, und das tut Roets. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Landwirt einer der gefährlichsten Berufe im Land ist. Die Mordrate betrug im Jahr 2016 rund 156 pro 100 000 Farmern. Zum Vergleich: In El Salvador, dem Land mit der höchsten Mordrate weltweit, betrug dieses Verhältnis in Bezug auf die Gesamtbevölkerung 82,8 in Südafrika 34, in Deutschland 1,2.

Darüber hinaus unterscheiden sich die Überfälle von „normaler“ Kriminalität durch ihre außergewöhnliche Brutalität. Regelmäßig werden ganze Familien ausgelöscht und die Opfer zu Tode gefoltert. Das gilt auch für Kinder. Roets schont den Leser hier nicht. Die Beispiele sind sachlich aber im Detail beschrieben, und sie gehen zu Herzen.

Der Kern Buches ist jedoch die Frage nach den Ursachen und der Reaktion der südafrikanischen Regierung. An dieser Stelle zeigt sich die Qualität des Autors. Er vermeidet konsequent unbelegte Beschuldigungen, hält den Ton sachlich und stützt seine Argumente auf Zahlen und belegbare Fakten. Auch die kritische Problematik des Landbesitzes in Südafrika spart Roets dabei nicht aus.

Komplizenschaft der Regierung

Umso eindrucksvoller fällt sein Befund aus: Die südafrikanische Regierung ignoriert die Überfall- und Mordserie an Landwirten nicht nur, sie schafft aktiv eine Atmosphäre, in der diese Gewalttaten blühen können. Gewaltbereite Kriminalität stieße auf politische Rechtfertigung. Roets dokumentiert Dutzende Beispiele, wie Aufrufe zum Mord an Buren direkt aus dem Umfeld des regierenden ANC kommen.

Eine Schlüsselbedeutung erhält dabei das Lied, „Tötet den Buren“, das zum Mord an weißen Farmern aufruft und insbesondere in der ANC-Jugendbewegung hohe Beliebtheit genießt. Die zögernde Aufklärung der meisten Überfälle, die Weigerung der Regierung, energisch gegen dagegen vorzugehen, Sympathien für die Täter aus Regierungskreisen und direkte Aufrufe zur Gewalt aus der Regierungspartei ANC runden das Bild ab.

Die enorme, außergewöhnliche Brutalität der Morde habe den Zweck, Schrecken zu verbreiten und Landwirte zum Verlassen ihres Landes zu bewegen. Roets‘ Fazit: „Systematische ethnische Säuberung ist eine sich abzeichnende Bedrohung für Minderheiten in Südafrika, insbesondere aber für weiße Landwirte.“

Ökonomische Folgen

Wer sich in der Region bewegt, trifft längst auf die Folgen dieser „Säuberungen“. Hunderttausende Buren verlassen oder verließen bereits ihre Heimat. Insbesondere Australien ist ein beliebtes Auswanderungsland. Dort nimmt man die hart arbeitenden, gut gebildeten und landwirtschaftliches Know-how besitzenden Buren gern auf. Namibia – stabil und noch mit einer klugen Politik gegenüber der weißen Minderheit gesegnet – erfährt einen Zufluss von Kapital aus Südafrika. Buren bringen ihren Besitz in Sicherheit. Unterdessen hat die Gesetzlosigkeit in Südafrika selbst Folgen: Die landwirtschaftliche Produktion bricht ein. Die Wirtschaft ist im Niedergang. Die Währung kollabiert.

Ernst Roets‘ Buch ist bisher nur in Englisch erschienen. Es verdient eine schnelle Übersetzung ins Deutsche, denn hier wird eindringlich die Anatomie einer ethnischen Säuberung im Werden beschrieben, die es zu verhindern gilt.

Ernst Roets: Kill the Boer. Government Complicity in South Africa’s brutal farm murders. Kraal, Pretoria, 2018, 414 Seiten, ca. 20 Euro/9 Euro E-Book. Buch in Englisch.

Das Afriforum ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich für die Rechte von Minderheiten in Südafrika einsetzt. Englische Webseite.

Dr. Alexander Will
Leiter Newsdesk
Politikredaktion
Tel:
0441 9988 2092

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