Oldenburg - Der Staatsbesuch Recep Tayyip Erdogans in Deutschland ist so verlaufen, wie es Kritiker vorausgesagt haben: Es war ein Eklat, eine Kette von Unverschämtheiten des türkischen Präsidenten und ein erfolgreicher Versuch, die in Deutschland lebenden Türken für seine Zwecke zu instrumentalisieren und zu mobilisieren. Dafür gibt es Verantwortliche, die jetzt dicke Krokodilstränen weinen.
Dieses Desaster ist Resultat einer seit Jahr und Tag verfehlten deutschen Türkei- und Türken-Politik nach außen und nach innen. Die deutsche Politik täuscht sich notorisch über den Charakter des Regimes in Ankara – oder ignoriert diesen wissentlich. Es ist in Wahrheit eben ein unverbesserlich autoritäres System, das repressiv nach innen und aggressiv nach außen agiert. Zudem handelt die Erdogan-Truppe außenpolitisch nach historisch bekannten orientalischen Mustern: Nimm, was du kriegen kannst, am besten ohne Gegenleistung. Sichere niemals etwas zu. Tue alles, um dein Prestige zu steigern und barbiere diejenigen, mit denen du zu tun hast, über den Löffel, wann immer es geht. In Deutschland hat es zudem nie eine Assimilation der türkischen Einwanderer gegeben, wie das mit den Polen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert der Fall war. Dieses Versäumnis hat Konflikte erst richtig angefacht.
Die Verantwortung liegt zweifellos ganz allein bei der deutschen Politik. Nach innen schwelgte sie in Multi-Kulti-Romantik und im Appeasement zweifelhafter Islam-Organisationen wie der Ditib. Nach außen begaben sich Merkel & Co. durch den Asyl-Pakt mit Ankara in eine Abhängigkeit. Die Merkels, Steinmeiers, Rekers und Schrammas dieser Welt haben also das Desaster durch ihr Handeln und ihre Ignoranz selbst herbeigeführt.
Dass am Ende dann ein T-Shirt mit der Forderung nach Pressefreiheit Anlass zur Entfernung eines Journalisten aus dem Gesichtskreis Erdogans wurde, ist die symbolhafte Krönung dieses Versagens.
Nein – die Türkei ist eben kein „Freund und Verbündeter“, wie es Minister Peter Altmaier da auf Twitter behauptet. Sie ist ein problematisches und im Moment feindseliges Land. Das wird so bleiben, so lange der Präsident Recep Tayyip Erdogan heißt.
