Oldenburg/Frankfurt - Reinhard Grindel wollte einfach zu viel. Nein, an dieser Stelle ist nicht gemeint, dass er überall die Hand aufgehalten hätte, wo es Sachwerte zu verteilen gab – auch wenn seine Einkünfte als Aufsichtsrat bei einer GmbH des DFB und die Annahme einer teuren Uhr diesen Schluss nahelegen. Für jemanden, der immer und überall für Transparenz warb, ist das natürlich das größtmögliche Eigentor.

Aber Reinhard Grindel stolperte nicht nur über jene Einkünfte und die Uhr. Er wollte überall dabei und auf allen Ebenen anerkannt sein. Und diesen Spagat hat er nicht mehr hinbekommen. Der Mann aus Rotenburg war oft in Niedersachsen unterwegs und präsentierte sich bei Amateurvereinen als Zuhörer und Versteher. Artig notierte er sich die Wünsche der Basis und ließ immer wieder durchklingen, dass er ja ein Mann aus dem (Fußball-) Volke sei, der gern mit einem Getränk in der Hand am Spielfeldrand eines Sportplatzes stehe.

Durch seine Funktion als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes kam Grindel aber auch in verschiedene Ämter bei den internationalen Verbänden Uefa und Fifa (diese hat er trotz seines Rücktritts beim DFB vorerst auch weiter inne). Und dort geht es eben nicht mehr darum, die Eintritts- und Bratwurstpreise von Landesligisten zu kennen. Dort wird auf höchster Ebene darüber gegrübelt, wie man den Fußball weltweit noch ein bisschen mehr vermarkten kann.

Und bei diesen Versuchen, die beiden Extreme des Fußballs verbinden zu wollen, wirkte der frühere ZDF-Journalist und Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete irgendwann nicht mehr glaubwürdig. Zugegeben, ein wenig Bodenhaftung muss für Spitzenfunktionäre ja nichts Schlechtes sein. Aber die Schaffung und Vermarktung von neuen internationalen Wettbewerben haben nichts mit dem Kick auf dem Ascheplatz am Sonntagmorgen zu tun. Grindel wollte aber auf beiden Spielwiesen mitmischen. Dass er nach dem blamablen Aus der Nationalmannschaft bei der WM 2018 und dem Rücktritt von Mesut Özil aus der DFB-Elf eine unglückliche Figur abgab, trug dazu bei, dass er an Rückhalt verlor.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)