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NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

„In den Fridays-for-Future- Protesten steckt viel Kraft“

11.06.2019

Oldenburg Pfingsten steht zwar im Kalender, aber von der dem Fest angeblich innewohnenden Kraft, vom Heiligen Geist und vom Brausen in der Luft ist nichts zu spüren: Es gibt keine Spur von zuversichtlicher Aufbruchsstimmung.

Oder doch? In einer Bewegung wie „Fridays for Future“, im zornigen Protest gegen das Verhalten der Politik in der Klimakatastrophe - in diesem Protest steckt Kraft, viel mehr Kraft als in sogenannten Zukunftskongressen, die von den einst großen politischen Parteien veranstaltet werden. „Fridays for Future“- darin steckt ein Brausen, das vielleicht, das hoffentlich auch die klassische Politik antreiben kann. In der Zeit seit der Europawahl kann man jedenfalls diese Hoffnung haben. Auf einmal ist die Klimapolitik in aller Munde, nicht mehr nur, wie bisher, bei den Grünen.

„Fridays for Future“: Das ist auch ein Protest dagegen, dass aus „Zukunft“ ein Wort geworden ist, das mehr ein Drohwort ist als ein Frohwort. Zukunft hat den Klang einer Katastrophe bekommen, die auf die Menschheit zukommt. Die Katastrophen sind allpräsent: Die Umwelt- und Klimakatastrophe, die Flüchtlingskatastrophe, die Bildungskatastrophe, die Katastrophen auf dem Finanzmarkt, die Rechtsruck-Katastrophe. Die herrschende Politik bestand bisher darin, sich mit diesen Katastrophen zu beschäftigen, sie in Konferenzen zu beleuchten und dann in Abschlussdokumenten zu versichern, dass man sie bekämpfen und abwenden will.

Kleinschrittige Politik ist hier nicht eine Politik der kleinen Schritte, sondern das Tippeln im Minenfeld der deklarierten Katastrophen. Man glaubt nicht mehr an die große Umkehr, nicht an eine offene Zukunft. Es gibt kein Umdenken. Walter Benjamin hat einmal gesagt: „Dass es ,so weiter‘ geht, das ist die Katastrophe“. Das ist ein Satz, der ein Motto von „Fridays for Future“ sein könnte.

„Fridays for Future“ hat das richtige Gefühl, dass die Art von Katastrophenverhinderungspolitik, wie sie derzeit betrieben wird, eine antischöpferische Politik ist. Das Irre ist, dass diese antischöpferische Politik dazu verleitet, notwendige Entscheidungen aufzuschieben bei gleichzeitigem Aktionismus - und so zu tun, als käme irgendeine Zukunft auf die Gesellschaft zu, in der sich alles irgendwie bessern wird. Bloße Katastrophenabwiegelungsgesellschaften sind aber statische Gesellschaften. Gegen diese Statik, gegen diese Lethargie, gegen diesen Stillstand richtet sich die Bewegung „Fridays for Future“.

Dass aus dem herrlichen Wort „Zukunft“ so etwas Abscheuliches wie „Zukunftsfähigkeit“ gemacht worden ist, ist zum Heulen. Das Wort „zukunftsfähig“ ist ein verlogenes Wort, weil es so tut, als gäbe es eine feststehende Zukunft, für die man fit gemacht werden müsse. Es gibt aber keine Zukunft, von der man sagen könnte, dass es sie einfach gibt. Es gibt nur eine Zukunft, die sich jeden Augenblick formt - je nachdem, welchen Weg ein Mensch, welchen Weg eine Gesellschaft wählt. Die Bewegung „Fridays for Future“ versucht, Gesellschaft und Politik auf einen neuen Weg zu führen.

Das ist ein pfingstliches Tun. Die Frage ist nämlich nicht, welche Zukunft man hat oder erleidet, die Frage ist, welche Zukunft man haben will, und wie man darauf hinlebt und darauf hinarbeitet. Die Frage ist nicht, was auf die Gesellschaft zukommt, sondern wohin sie gehen will. Zukunftsfähigkeit muss daher neu definiert werden, nämlich so: Wie wird die Zukunft fähig für die Gesellschaft? Wie wird sie fähig für ein Leben, das mehr ist als ein Überleben? Diesen Versuch unternimmt „Fridays for Future“. Es ist eine pfingstliche Bewegung.

Damals, so schildert es die Bibel, war es so: elf Männer in Jerusalem hatten sich versteckt. Sie hatten keine Hoffnung mehr. Frust machte sich breit. Auf einmal aber erschien es ihnen so, als würden sie innerlich brennen. Und sie fühlten eine Kraft in sich. Und sie gingen raus aus ihrem Versteck, sie gingen unter die Leute. Sie gingen auf die Plätze. Sie fingen zu reden an. Von einer neuen Welt. Und was sie sagten, traf die Leute mitten ins Herz. Gut, einige sagten: „Die sind doch besoffen. Die sind irre. Was ist das für ein Quatsch.“ Aber sie wurden immer mehr, und sie fanden Anhänger. Und sie wurden eine große Bewegung. Und Hoffnung machte sich breit.

Heute heißt es: „Die sollen doch in die Schule gehen. Die sollen das den Experten überlassen. Die sind viel zu jung dafür. Was für ein Quatsch.“ Aber sie werden immer mehr. Und es macht sich Hoffnung breit.

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