Oldenburg - Die guten Jahre sind vorbei. Es kommen wieder die Jahre des Knapsens. Dabei hatte man sich daran gewöhnen können, dass der Nordwesten angesichts guter Steuereinnahmen und florierender Wirtschaft einiges aufgeholt hat, was die Infrastruktur und die Teilhabe an öffentlichen Aufträgen angeht.

Aber Corona kennt keine Grenzen und offenbar auch keine Vernunft. Nun streicht die Landesregierung eines der wichtigsten universitären Vorhaben, die Erweiterung der European Medical School in Oldenburg. Vergeblich die Appelle aus der Region, die Erweiterung der Universitätsmedizin um ein Lehrgebäude für 142 Millionen Euro endlich zu finanzieren, damit genug Lehr- und Forschungsräume sowie eine Nassanatomie für Studenten und Lehrende zur Verfügung stehen. Immerhin geht es um nichts weniger als die Erweiterung der Kapazitäten der Uni-Medizin von 80 auf 200 Studenten pro Jahr, um dem Ärztemangel entgegenzuwirken und den Studiengang Oldenburg-Groningen langfristig abzusichern.

An der Qualität der Oldenburger Medizinausbildung kann die finanzielle Zurückhaltung nicht liegen. Erst im April, erschwert durch die Beschränkungen der Corona-Pandemie, hatten die 17 Oldenburger Absolventen des Medizinstudiums bei der Prüfung zum 2. Staatsexamen bundesweit das drittbeste Ergebnis abgelegt – hinter Bonn und Münster. Traurig auch, dass das Beispielgebende des Oldenburger Studiengangs – die Studenten verbringen ein Jahr in Groningen und lernen ein anderes Gesundheitssystem kennen – die Entscheider nicht überzeugt hat. Trotz vieler Fürsprecher und nachweislicher Erfolge zählt das offenbar in Hannover nicht. Und düpiert steht die Universität da, die nach der Erprobungsphase die Aufstockung der Medizinstudienplätze mutig angegangen ist. Sie wird der Unterstützung der gesamten Region bedürfen.