• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Sündenbock Autofahrer

05.02.2019

Oldenburg Autofahrer haben es zurzeit wirklich nicht leicht. Mal werden sie als Umweltsünder tituliert oder als Raser verschrien und obendrein aus Stadtteilen ausgesperrt, weil die „Diesel-Stinker“ ja besonders schädlich für die Umwelt sein sollen, während nebenan ein Riesentanker den Hafen ansteuert. Da wird lauthals nach generellen Tempolimits auf Autobahnen und Fahrverboten geschrien, alles natürlich im Sinne des Umweltschutzes. Hauptsache ein Sündenbock wird gefunden. Nun aber scheint eine Grenze erreicht zu sein. Es macht sich Unmut breit in der Bevölkerung. Man fragt sich nämlich: Was haben die Autofahrer eigentlich verbrochen, dass sie wie eine Sau durchs Dorf getrieben werden?

46,5 Millionen Pkw waren zum 1. Januar 2018 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts hierzulande zugelassen. Für einige ist ihr Auto der ganze Stolz – warum auch nicht, das ist schließlich jedem selbst überlassen. Andere wiederum sind vor allem auf ihren Pkw angewiesen, um zur Arbeit zu gelangen und damit auch zum Wohlstand Deutschlands beizutragen.

Nun aber setzen immer mehr Städte darauf, Autos nach und nach zu verbannen. Vor allem der früher so hochgelobte Diesel ist plötzlich zum Feindbild geworden. Bei dem Feldzug gegen die Autofahrer werden aber einige Kernprobleme vergessen: Zum einen gibt es schlichtweg keine vernünftigen Alternativen zum Auto, um eine Vielzahl der Pendler zum Umstieg zu bewegen. Die Deutsche Bahn und die Nordwest-Bahn glänzten jüngst vor allem mit Zugausfällen und Unpünktlichkeit. Eine Modernisierung der In­frastruktur dürfte noch einige Jahre dauern, auch wenn die Probleme jetzt thematisiert wurden und möglichst schnell angegangen werden sollen.

Wegen der teils horrenden Miet- und Immobilienpreise in den Städten werden die Menschen ins Umland getrieben, wo sie mit etwas Glück noch bezahlbaren Wohnraum finden. Dort sind viele mangels eines ausgeprägten öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) aber auf das Auto angewiesen. Dass die Holzhammermethode Fahrverbote, Steuererhöhungen und Tempolimits allerdings eine fatale Kettenreaktion auslöst, wird offenbar ignoriert oder verdrängt.

Vor allem der gewöhnliche Arbeitnehmer leidet darunter, wenn die Kfz-Steuer erhöht wird und Spritpreise steigen – auch wenn Politiker gern etwas anderes behaupten, selbst aber mit ihren meist hoch motorisierten Dienstwagen kein gutes Vorbild abgeben. Der Standort Deutschland wird grundlos geschwächt. An der Automobilindustrie hängen Zigtausende Jobs. Kleine und mittlere Betriebe fürchten Fahrverbote und eine Entwertung ihrer Dieselfahrzeuge, der Handel in Innenstädten den Verlust von Kunden von außerhalb.

Es ist schon paradox, dass ausgerechnet die Antriebsart jetzt verteufelt wird, die vor vielen Jahren noch in den Himmel gelobt und subventioniert wurde. Diesel-Kraftstoff war immer besonders günstig, die Langlebigkeit und der hohe Wirkungsgrad dieses Antriebs galten als die Hauptverkaufsargumente. Gerade in mittelständischen Betrieben sind die Selbstzünder gar nicht mehr wegzudenken. Und bis heute gibt es zum Diesel keine vernünftige Alternative – mithilfe neuester Technik ist er außerdem ziemlich sauber.

Umso schlimmer ist das künstliche Schlechtreden dieser Antriebsart. Seit dem Abgas-Skandal und der bundesweiten Diskussion über Fahrverbote ist von der Diesel-Euphorie nicht mehr viel übrig. Das einst so geliebte Kind wurde verstoßen – zulasten derjenigen, die auf ihr Auto angewiesen sind, die nun Angst haben müssen, nicht mehr zur Arbeit zu kommen, und regelrecht zu einem Neuwagenkauf gedrängt werden. Von der Entwertung der Fahrzeuge mal ganz zu schweigen.

Nun also, wo viele Deutsche ihren Diesel verkauft und stattdessen einen Benziner gekauft haben, fällt auf, dass unter anderem die CO2-Werte steigen. Doch wen wundert das? Denn meistens haben Diesel wegen ihres höheren Wirkungsgrads sogar eine bessere CO2-Bilanz als vergleichbare Benziner. Hinzu kommt, dass es immens schwierig ist, möglichst alle Schadstoffe auf einen Streich zu senken. Denn eine Maßnahme gegen bestimmte Schadstoffe kann begünstigen, dass die Emission anderer wiederum steigt. Das beste Beispiel ist der Dieselpartikelfilter, der zwar den Feinstaub eindämmt, aber für einen höheren Verbrauch sorgt und daher sowohl erhöhte Stickoxid- als auch CO2-Werte begünstigt. Und: Feinstaub wird auch durch den Abrieb von Kupplung, Bremsen und Reifen erzeugt, und zwar in ziemlich großen Mengen. Also sind auch Elektrofahrzeuge nicht davon ausgenommen.

Die Politik und Umweltaktivisten sollten endlich eingestehen, dass Fahrzeuge, die mithilfe fossiler Kraftstoffe fahren, irgendwann schlichtweg nicht noch sauberer werden können, außer sie fahren überhaupt nicht. Wir haben hierzulande schon ein sehr hohes Niveau bei der Abgasreinigung erreicht. Und ist es nicht viel nachhaltiger, ein Fahrzeug jahrzehntelang zu fahren, statt sich alle paar Jahre ein neues Auto zu kaufen, während die alten Kfz ins Ausland verkauft oder verschrottet werden, obwohl sie noch problemlos funktionieren – und die wohlgemerkt schon ziemlich sauber unterwegs sind? Wir sollten auch endlich aufhören, immer nur einen Sündenbock zu suchen. Es sind eben nicht nur die Autos oder nur die Öltanker, die Schadstoffe in die Luft blasen. Es ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren.

Daher bringt die aktuelle Vorgehensweise, nur einige Verkehrsteilnehmer auszusperren nichts als überlastete Gerichte, hitzige Diskussionen und Unzufriedenheit bei den Bürgern – mit der Gefahr, dass diese radikale Parteien wählen. Und auch die fragwürdigen Messwerte bleiben. In Hamburg und andernorts sind auch nach Fahrverboten für ältere Diesel teils stark erhöhte Schadstoffwerte ermittelt worden. Abgase machen eben nicht vor Verbotszonen Halt und diejenigen, die gewisse Zonen nicht mehr befahren dürfen, weichen auf Umwege aus, stoßen dadurch mehr Schadstoffe aus, und es gibt mehr Staus. Experten haben außerdem ermittelt, dass ein generelles Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen praktisch keine Senkung des CO2-Wertes ergeben würde, bei Tempo 120 wäre die Ersparnis nur minimal.

Natürlich sind fossile Brennstoffe endlich, und wir müssen an Alternativen arbeiten, aber das sollte nicht Hals über Kopf geschehen, indem effiziente Antriebe wie der Diesel verteufelt und mit Gewalt verdrängt werden. Stattdessen sollte ein schrittweiser Umstieg erfolgen. Das Wichtigste ist dabei ein durchdachtes Konzept. Und das scheint es momentan nicht zu geben, anders lassen sich die „Schnellschüsse“ seitens der Politik kaum erklären. Auch die Ressourcen für die Herstellung der Akkus in Elektrofahrzeugen sind endlich. Wo werden diese wie produziert und wie viele Schadstoffe werden dabei ausgestoßen? Wie lange halten sie – vor allem auch bei Kälte? Wie läuft die Entsorgung?

Es muss erlaubt sein, Grenzwerte zu hinterfragen, erst recht, wenn sie bereits von vielen Experten kritisch gesehen werden. Und was bringt es, sich utopische Ziele zu setzen, die Deutschland im schlimmsten Fall in die Abhängigkeit von anderen Ländern stürzen, die es mit Umweltschutz unter Umständen nicht so genau nehmen? Es wird Zeit, eine Infrastruktur zu schaffen, die es attraktiv macht, sich mit Alternativen zum Auto innerstädtisch zu bewegen, die Parkflächen im Speckgürtel für diejenigen schafft, die von außerhalb kommen. Das kann aber nur mithilfe einer perfekten ÖPNV-Anbindung gelingen. Außerdem muss es mehr bezahlbaren Wohnraum geben. Mit dieser Lösung könnten viele gut leben: Weniger Schadstoffe und Lärm in den Städten, dennoch gäbe es eine gute Anbindung ländlicher Regionen und dadurch bliebe auch dieser Kundenstamm dem Handel erhalten.

Finden Sie Ihr Traumauto auf NWZ-Auto.de!

NWZ-Auto.de
Finden Sie Ihr Traumauto auf NWZ-Auto.de!

Sabrina Wendt Redakteurin / Wirtschaftsredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2042
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.