Oldenburg - Von Schweden lernen, heißt siegen lernen. Das werden sich wahrscheinlich viele Deutsche beim Blick auf das skandinavische Land mit rund zehn Millionen Einwohnern denken. Denn dort scheint trotz der Coronakrise vieles seinen gewohnten Gang zu gehen.
Aber was machen die Schweden anders? Sie setzen auf Freiwilligkeit. Wer daheim arbeiten kann, sollte das tun, muss aber nicht. Ältere Menschen werden nicht eingesperrt, doch ihnen wird geraten, soziale Kontakte möglichst zu minimieren. Geschäfte und Cafés haben geöffnet, allerdings wird in letzteren darum geben, nur mit Sitzplatz zu verweilen. Ansammlungen von bis zu 49 Personen sind erlaubt. Das tut nicht nur der Wirtschaft gut, die hierzulande schon zum Erliegen gekommen ist, sondern auch den Menschen vor Ort. Gute Laune hilft bekanntermaßen dabei, gesund zu bleiben. Positivität ist die beste Medizin.
Und ist es wirklich zu viel verlangt, dass hierzulande wieder alle Geschäfte mit entsprechenden Einlasskontrollen öffnen können? In Baumärkten funktioniert das auch, also warum sollte das nicht woanders möglich sein? Der Schlüssel zum Erfolg heißt Selbstdisziplin.
Deutsche Ungewissheit
Stattdessen lässt man uns hierzulande im Ungewissen darüber, wie es nach dem 19. April weitergeht. Tausende Existenzen stehen auf dem Spiel, Milliarden Hilfsmittel aus Staatskassen werden verteilt – Hilfsmittel, die durch unsere Steuergelder finanziert werden. Auch gesunde Unternehmen geraten in Schieflage, müssen sogar Kredite beantragen, die später zurückzuzahlen sind. Menschen, die um ihre Existenz bangen, werden leichter krank und Unzufriedenheit ist sicher keine gute Medizin gegen eine Krise.
Viele sind dazu noch in Sorge um ihre Freiheitsrechte und fürchten dauerhafte Einschränkungen nach der Coronakrise. Das alles ist Nährboden für Populisten. Viel länger als bis zum 19. April darf dieser Zustand nicht mehr dauern. Denn je länger der Shutdown besteht, desto weniger Akzeptanz wird es dafür in der Gesellschaft geben. Eine Strategie zum Corona-Exit muss her, und zwar schon jetzt.
Die Zeit wird es weisen
Der schwedische Ansatz setzt nur eines voraus: Rücksichtnahme. Dass das auch hier funktionieren kann, zeigen die vielen Hilfsaktionen von Menschen, die versuchen, aus der aktuellen Situation das Beste zu machen. Nun sei dazu gesagt, dass die Einwohnerdichte in Schweden eine andere ist als in Deutschland mit seinen mehr als 80 Millionen Menschen. Und auch in Schweden gibt es kritische Stimmen gegen das aktuelle Vorgehen. Versuchte Verschärfungen wurden dort aber zunächst wieder verworfen.
Welcher Ansatz der richtige ist, wird nur die Zeit zeigen. Eines wird aber definitiv nicht funktionieren: das Ganze auszusitzen. In diesem Sinne håll dig frisk – bleiben Sie gesund!
