• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Deutscher Dünkel

22.05.2019

Oldenburg Wer verstehen will, warum insbesondere Mittel- und Osteuropa gegenwärtig das politische Deutschland regelrecht gefressen hat, bekam dafür in den vergangenen Tagen beredten Anschauungsunterricht. Die grässliche Neigung der Deutschen, den moralinsauren Oberlehrer zu geben, brach sich nach dem Strache-Skandal in Österreich ungehindert Bahn. Es hagelte nur so Vorschriften, was denn Kanzler Sebastian Kurz in Wien zu tun habe.

Ein Blick in die Runde: Die SPD-Chefin Andrea Nahles forderte: „In Österreich muss es Neuwahlen geben. Ein Rücktritt von FPÖ-Chef Strache reicht nicht aus.“ Was hätte sie wohl getan, wenn Kurz ihrem Befehl keine Folge geleistet hätte? Mobil gemacht? Im gleichen Tonfall sekundierte die SPD-Spitzenkandidatin Katharina Barley. SPD-Generalsekräter Lars Klingbeil – zuständig fürs ganz Grobe – setzte noch einen drauf. Sebastian Kurz solle die Koalition „sofort“ beenden – und sich auch noch „entschuldigen, dass er Spaltern und Hetzern wie Strache Verantwortung übertragen hat“.

Die SPD-Prominenz hätte – wenn sie schon mit anmaßenden Ratschlägen um die Ecke kommt – einen Blick ins österreichische Burgenland werfen sollen. Dort regiert ihre Schwesterpartei SPÖ munter und vergnügt seit 2015 mit den „Spaltern und Hetzern“ von der FPÖ. Pointe: Landeshauptmann Peter Doskozuil (SPÖ) denkt gar nicht daran, die Koalition „sofort“ zu beenden. Man will lieber noch die „Vorhaben der laufenden Legislaturperiode“ abarbeiten. Gewählt werden soll dann im Januar 2020 – regulär wäre das im Mai des Jahres fällig gewesen.

Auch aus anderer Ecke war der Befehl zur Neuwahl zu vernehmen. Grünen-Chefin Annalena Baerbock, meinte, jetzt seien „Neuwahlen geboten“. Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter war das nicht genug: Nun sollten bitte auch noch unpassende Koalitionen in Bulgarien und Andalusien schnellstens beendet werden. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) erklärte schließlich, die Affäre sei „keine allein innerösterreichische Angelegenheit“. Dem Mann ist entfallen, dass – verflixt noch einmal – Österreich ja noch immer kein deutsches Bundesland ist.

Jenseits aller Ironie soll sich niemand täuschen: All das wird besonders bei den kleinen EU-Nationen im Osten aufmerksam registriert. Für ungebetene Ratschläge im Befehlston aus Deutschland ist man da wenig empfänglich – besonders nach dem Druck aus Deutschland beim Asyl und jüngsten deutschen Fantasien von europaweitem Atomausstieg. Was Österreich angeht, wo so mancher den Piefke ohnehin nur zähneknirschend erträgt, kann das alles nach hinten losgehen. Man lässt sich von Deutschen nicht gern sagen, was zu tun und zu lassen ist. Als Staatsangehöriger dieses merkwürdigen Landes wünscht man sich schließlich, dass seine Volksvertreter mit weniger Dünkel und Überhebung ihren Aufgaben nachgehen.

Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Politikredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2092
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.