Oldenburg - Puh! 5,7 Milliarden Euro Jahresverlust. Da kann einem schwindelig werden. Bei der Deutschen Bank sind hohe Minusbeträge schon Tradition. 2019 war nun das fünf Verlustjahr in Folge. Wie lange verträgt sich so etwas?

Die Deutsche Bank hat immer starke Anker-Aktionäre gehabt. Die sind offenbar bereit, den schwierigen Weg durch ein Minenfeld von eigenen Affären und eigener Rollensuche, Nullzins-Folgen und überbordender Regulatorik sowie ballastfreier, technologisch basierter Digital-Konkurrenz weiter mitzugehen. Kaum vorstellbar ist, dass die Deutsche Bank, ein großer Name draußen in der Welt, scheitert. Immerhin stieg am Donnerstag, nach der Bekanntgabe des jüngsten Milliardenverlustes, der Aktienkurs. Wer da kaufte, war sicherlich zu dem Schluss gekommen, der deutsche Branchenprimus sei nun wohl durch das Schlimmste hindurch.

Allerdings: Sorge sollte der Blick auf die Erträge bereiten. Sie sanken 2019. Das sollte man im Auge behalten. Denn: Ohne Einnahmen kein Gewinn. Die Kosten (auf der anderen Seite) lassen sich nicht unbegrenzt senken. Man amputiert sich sonst zu Tode.

Die Deutsche Bank steht damit noch stärker vor Problemen wie die örtlich und regional stark verwurzelten Genossenschaftsbanken, Sparkassen sowie die Konkurrenz im Privatbanken-Sektor: Womit will man künftig eigentlich Geld verdienen? Wo kann man endlich mal wieder seine Stärken ausspielen und in die Offensive gehen? Natürlich muss man sich auch mit der Frage befassen: Warum sollten potenzielle Kunden mit ihren Bedürfnissen ausgerechnet zu diesem Institut kommen, beziehungsweise bei ihm bleiben?

Nicht gut fürs Image ist natürlich, dass trotz des jüngsten Milliardenverlustes noch Boni flossen. So etwas muss ja eigentlich nicht belohnt werden.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)