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NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Zerstörtes Idyll

13.12.2018

Oldenburg Wieder wurden wir brutal aus unserem Vorweihnachtsidyll gerissen: Wie vor zwei Jahren in Berlin war ein Weihnachtsmarkt Ziel eines Terror-Anschlags. Am Dienstagabend traf es den historischen Markt rund um das Straßburger Münster. Wirkte die Todesfahrt mit einem Lastwagen im Dezember 2016 am Berliner Breitscheidplatz in ihrem Ausmaß mit zwölf Toten und 55 Verletzen gewaltiger, entfaltet die Schießerei in der Elsass-Metropole mit bisher drei Todesopfern und 14 Verletzten dieselbe zerstörerische Wucht.

Und wieder wird unsere freizügige, tolerante, in diesen besonderen Tagen vor dem Weihnachtsfest extrem konsumgierige Gesellschaft tief getroffen. Noch sind die Erkenntnisse der Ermittler spärlich. Nach und nach werden Indizien zu Fakten. Bis dahin verbieten sich Vorverurteilungen und Verallgemeinerungen. Allerdings treten einige Parallelen zu Terroranschlägen der jüngeren Vergangenheit zutage.

Denn wieder hat es scheinbar Pannen und Versäumnisse der Polizeibehörden gegeben. Wie schon im Fall des Attentäters von Berlin, Anis Amri, wurde es durch die Polizei unterlassen, einen mehrfach verurteilten Gewalttäter und islamistischen Attentäter dingfest zu machen. Der Tatverdächtige von Straßburg wird wie sein Bruder als radikalisiert eingestuft. Zudem hatte der Attentäter wegen schweren Diebstahls in Deutschland in Haft gesessen. Im Februar 2017 wurde er nach Frankreich abgeschoben. Am Dienstagmorgen sollte er in Straßburg festgenommen werden, die Polizei habe ihn aber nicht angetroffen, hieß es lapidar.

Staatspräsident Macron kommt nicht aus dem Krisenmodus heraus. Die Trauer um die Opfer und die beschworene Solidarität mit dem französischen Volk ist ihm gewiss. Bei Licht betrachtet werden die Umstände des Attentats jedoch nicht zu größerem Vertrauen in die Staatsmacht führen.

Oliver Schulz Redakteur / Kulturredaktion
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