Oldenburg - Ein Weltkonzern wie Lufthansa befindet sich in schweren Turbulenzen – und schafft die Wende aus eigener Kraft nicht mehr. Das ist ein Warnsignal. Die Coronakrise macht auch vor gesunden Unternehmen nicht Halt – denn vor der Krise war die Lufthansa ein solide geführter Konzern mit bedachtem, stetigem Wachstum. Dass von hier auf jetzt fast die gesamte Flotte am Boden bleiben muss, verkraftet wohl kaum eine Airline längerfristig.

Daher darf sich auch gar nicht die Frage stellen, ob geholfen wird. Der Staat muss eingreifen, denn tut er es nicht, drohen nicht nur Tausende Arbeitsplatzverluste bei der Lufthansa, sondern es wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt. Flughäfen wie Frankfurt oder München würden plötzlich unrentabel. Es drohen weitere Jobverluste. Obendrein würden Billigfliegern wie Ryanair mit teils dubiosen Geschäftsmodellen Tür und Tor geöffnet. Das kann und darf nicht das Ziel sein.

Wenn der Staat eingreift, sollte die Frage nach dem „Wie“ allerdings erlaubt sein. Denn dadurch ist er auch an der Lufthansa beteiligt. Doch wie macht sich das bemerkbar? Welche Mitspracherechte hat er? Darüber muss natürlich verhandelt werden. Der Staat sollte sich beim Mitspracherecht zurückhalten und die Konzernpolitik den Managern überlassen. Denn die Branche befindet sich nicht erst seit Corona in einem Umbruch. Klimaschutz ist ein wichtiger Aspekt. Um diese Veränderungen zu meistern, bedarf es eines Managements mit möglichst viel Freiraum. Der Staat sollte sich da nicht einmischen, indem Politiker in den Aufsichtsratsgremien sitzen.

Was ebenso selbstverständlich sein sollte: Dass auf die Dinge verzichtet wird, die gerade nicht notwendig sind – von Managerboni bis zu Dividendenzahlungen. Wenn etwas Positives in der Krise bleibt, ist es der wachsende Zusammenhalt. Nur so wird der Kranich wieder unbeschwert fliegen können.

Sabrina Wendt
Sabrina Wendt Thementeam Wirtschaft